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2-jähriges Jubiläum des Marktkommentars

Unser Marktkommentar feiert mit dieser Ausgabe sein 2-jähriges Jubiläum. In dieser Ausgabe möchten wir auf zwei turbulente Jahre zurückblicken und schauen, welche Themen von damals auch heute noch - oder wieder - relevant sind.
2-jähriges Jubiläum des Marktkommentars

Vor zwei Jahren haben wir unseren monatlichen Marktkommentar ins Leben gerufen. Unser erster Beitrag behandelte damals die bevorstehende US-Präsidentschaftswahl.

Seitdem haben wir viele verschiedene Kapitalmarktthemen aufgegriffen und beleuchtet. Anlässlich des Jubiläums schauen wir uns heute vier Themen an, die heute immer noch – oder wieder – relevant sind.

  • Ultra-lange Anleihen
  • Rohstoff-Superzyklus
  • Value hat Konjunktur
  • China (Evergrande)

Ultra-lange Anleihen

Es mag im Herbst des Jahres 2022 abstrus wirken, aber es ist noch gar nicht so lange her, dass 10-jährige deutsche Staatsanleihen eine negative laufende Rendite aufwiesen. Am 8. April 2021, als wir unseren Marktkommentar zu ultra-langen Anleihen veröffentlichten, lag diese bei -0,3 %. Heute notieren Bundesanleihen mit zehn Jahren Laufzeit bei +1,7 %.

Das jahrelange Niedrigzinsumfeld hat so manch seltsamen Früchte getragen. Viele Staaten, aber auch Unternehmen machten es sich zunutze und emittierten Anleihen mit Laufzeiten von bis zu 100 Jahren zu rekordverdächtig niedrigen Zinssätzen. Österreich, Mexiko, Peru und Argentinien gehörten zu den Ländern, die solche Anleihen begaben.

Ultra-lange Anleihen, also solche mit einer Laufzeit von mehr als dreißig Jahren, erlebten bis 2022 einen wahren Boom. Denn schließlich boten diese noch einigermaßen attraktive (positive) Zinsen. Wer z.B. Österreich im Frühjahr 2021 für fast hundert Jahre Geld leihen wollte, erhielt eine jährliche Verzinsung von knapp über +0,5 % – im Vergleich zu -0,3 % für zehnjährige deutsche Staatsanleihen durchaus ansehnlich.
Doch diese Extra-Rendite ist und war nie ohne Risiko, wie wir in unserem Marktkommentar damals bereits hervorgehoben hatten. Denn je länger das Schuldnerverhältnis besteht, desto höher das Risiko, dass der Emittent insolvent geht und der Investor sein Geld nicht oder nicht vollständig zurückbekommt. Außerdem steigt mit der Laufzeit auch die Sensibilität der Anleihen gegenüber Zinsveränderungen. Steigt der Marktzinssatz, verliert die Anleihe an Wert.
Aufgrund der seit Ende letzten Jahres anziehenden Inflation sind die Zinsen global stark angestiegen. Welche Auswirkungen diese Veränderungen auf den Wert ultra-langer Anleihen haben, lässt sich seit Anfang des Jahres sehr deutlich beobachten. Wertverluste von 30 % bis 60 % sind in diesem Anleihesegment keine Seltenheit. Nutzt man das Ginmon Sparkonto als Benchmark, wird offensichtlich, weshalb wir bei Ginmon ausschließlich kurz laufende Anleihen nutzen und welchen Vorteil diese aus Risikogesichtspunkten haben.
Quelle: Ginmon, ARIVA, Stand 09.09.2022

Rohstoff-Superzyklus

In unserem Marktkommentar im März 2021 haben wir uns frühzeitig mit der Möglichkeit eines neuen Rohstoff-Superzyklus befasst. Nachdem der letzte Superzyklus Anfang des Jahrtausends vom Aufstieg der Schwellenländer wie China, Indien oder Brasilien begleitet wurde, waren die Preise vieler Rohstoffe in den 2010er-Jahren deutlich gesunken.

Öl fiel beispielsweise von 2008 bis 2020 von $ 148 auf $ 25 pro Barrel. Den absoluten Tiefpunkt stellte die Corona-Krise dar, als der Ölpreis zwischenzeitlich sogar negativ notierte. Doch seitdem sich die Weltwirtschaft wieder erholt hat und die Lockdowns aufgehoben wurden, steigen die Rohstoffpreise kontinuierlich und treiben die Inflation seit Mitte 2021 stark an. Allein in Deutschland sind Energiekosten für über 3 % Inflation verantwortlich.

Ein Grund für diese Entwicklung ist das nach Corona wieder stark anziehende Wirtschaftswachstum. Der Ukraine-Krieg mag sein Übriges dazu beigetragen haben, allerdings stiegen die Rohstoffpreise schon seit Anfang 2021 – und damit bereits ein Jahr vor dem Krieg – stark an. Das liegt auch daran, dass der Rohstoffmarkt einem klassischen Schweinezyklus gleicht und sich nur langsam an eine geänderte Nachfrage anpassen kann.

Schließlich dauert es mitunter Jahre, neue Ölfelder oder Minen zu erschließen. Dem seit nunmehr zwei Jahren andauernden Rohstoff-Zyklus widmeten wir im Juni 2022 einen weiteren Marktkommentar.

Quelle: Ginmon, S&P Dow Jones Indices, Stand 09.09.2022

Value hat Konjunktur

Ein Marktsegment, das von steigender Inflation profitiert, ist neben Rohstoffen der sogenannte Value-Faktor. Im Marktkommentar “Value hat Konjunktur” haben wir uns bereits im August 2021 mit der Auswirkung von Inflation auf verschiedene Anlageklassen beschäftigt. Dabei haben wir insbesondere den Einfluss auf Value-Aktien unter die Lupe genommen, also solcher Titel, die relativ niedrig bewertet sind. Nobelpreisträger Eugene Fama und Kenneth French haben bereits 1992 beobachtet, dass günstige Aktien (Value) langfristig besser laufen als teure (Growth).

Das Ergebnis unserer Analyse verschiedener Inflationsszenarien war, dass der Value-Faktor in Phasen höherer Inflationsraten tendenziell besser abschneidet, während teure Growth-Aktien bei Inflationsraten nahe 0 % die Nase vorne haben. Diese Ergebnisse haben sich in diesem Jahr bestätigt. Der Value-Faktor konnte seit Veröffentlichung unseres Marktkommentars bis Anfang September 2022 3,4 % an Wert gewinnen, während teure Growth-Titel ca. 7 % einbüßten.

Quelle: MSCI, Stand 09.09.2022

China (Evergrande)

Auch mit China’s Zero-Covid Politik und dem spektakulären Fall von China Evergrande haben wir uns in Marktkommentaren beschäftigt. Bereits im Oktober 2021 setzten wir uns mit der Panik rund um die drohende Zahlungsunfähigkeit des zweitgrößten Immobilienentwicklers Chinas auseinander.

Evergrande war damals das meistverschuldete Unternehmen der Welt und weckte in der Presse unschöne Assoziationen mit Lehman Brothers. Denn Evergrande hatte weitreichende Verstrickungen mit dem chinesischen Bankensystem. Unter den Gläubigern fanden sich 171 chinesische Banken und 121 weitere chinesische Finanzunternehmen.

Schon früh wiesen wir jedoch darauf hin, dass die Darstellung Evergrandes als Lehman 2.0 stark übertrieben war. Denn in China hat der sozialistische Gedanke des “Gemeinsamen Wohlstandes” oberste Priorität und ein Kollaps hätte die Legitimität der kommunistischen Führung stark beschädigt.

Die chinesische Wirtschaft ist im großen Maße vom Immobilienmarkt abhängig. Nach Schätzungen trägt dieser 20 % bis 25 % zum Bruttoinlandsprodukt bei. Wir stellten daher die Hypothese auf, dass China sämtliche finanziellen Mittel mobilisieren würde, um einen unkontrollierten Kollaps von Evergrande zu verhindern.

Tatsächlich kam es im Nachgang unseres Marktkommentars zu diversen Stützungsversuchen für den Immobiliensektor. So wurde von der chinesischen Regierung die Platzierung zusätzlicher 500 Mrd. Yuan (etwa. 72 Mrd. Euro) an Infrastruktur-Anleihen genehmigt. Zusätzlich wurden Banken angehalten, den chinesischen Immobilienentwicklern Verlängerungen oder neue Kredite zu gewähren. Ein Update zu den Entwicklungen rund um China Evergrande veröffentlichten wir im Januar 2022.

Quelle: Chinesisches Finanzministerium, Staatsrat, Bloomberg, Stand 09.09.2022

Diese Konjunkturspritzen sind auch vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Auswirkungen von Chinas Zero-Covid-Politik zu sehen, mit der wir uns im Mai 2022 beschäftigten. Aufgrund der signifikanten Produktionseinbrüche, die mit den Lockdowns z.B. in Shanghai einhergingen, kam es vermehrt zu der Sorge, dass die chinesische Wirtschaft als “Fabrik der Welt” in eine Rezession rutschen könnte.

Doch das will die Regierung verhindern. Während sämtliche großen Zentralbanken der Welt die Zinsen erhöhen, um die Inflation zu bekämpfen, hat die chinesische Zentralbank die Zinsen seit Jahresbeginn abermals gesenkt. Da Präsident Xi Jinping im November dieses Jahres eine Wiederwahl anstrebt, kann er sich eine schwächelnde Wirtschaft eigentlich nicht erlauben, wie wir in unserem Marktkommentar bereits darlegten.
Hieraus ergibt sich ein schwieriges Spannungsfeld für die kommunistische Partei. Einerseits soll durch die Zero-Covid Politik eine Eskalation der Pandemie verhindert werden, um Kontrolle zu vermitteln. Andererseits ist diese Politik Gift für die Wirtschaft, sodass das diesjährige Wachstumsziel von 5,5% voraussichtlich verfehlt werden wird. Tatsächlich sucht die Regierung wie von uns erwartet nach Möglichkeiten einer schrittweisen Lockerung der Zero-Covid Politik. Die möglichen Maßnahmen umfassen die Öffnung und den Zugang zu öffentlichen Orten mit großen Menschenmengen (unter Bedingung einer Impfung), sowie verkürzte Lockdowns. Auch wenn diese Maßnahmen bisher nicht angewendet wurden, zeigt es doch, dass die Zero-Covid-Politik nicht länger sakrosankt ist.

Die Inhalte dieses Artikels stellen keine Anlageberatung oder Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar. Dieser Artikel ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung und dient ausschließlich Diskussionszwecken. Die in diesem Artikel vertretenen Meinungen stellen die aktuelle Einschätzung von Ginmon dar, die sich ohne vorherige Ankündigung ändern kann. Ginmon übernimmt keine Garantie für die Richtigkeit und Vollständigkeit der dargestellten Informationen. Frühere Wertentwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Wertentwicklungen. Geldanlagen am Kapitalmarkt sind mit Risiken verbunden. Bitte lesen Sie unseren Risikohinweis.

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Maximilian Wagner, Vermögensberater