Was ist Faktor Investing?

Neue Erkenntnisse in der Kapitalmarktforschung haben über die letzten 60 Jahre das Verständnis von Rendite immer mehr verändert. Während man vor 1960 die Portfolio-Performance allein auf die Fähigkeiten des jeweiligen Portfoliomanagers zurückführte, lässt sich heutzutage ein Großteil der Rendite auf Faktoren zurückführen. Diese Faktoren lassen sich grundsätzlich als statistisch identifizierbare Treiber von Risiko und Rendite bezeichnen.

Vor diesem Hintergrund sind Faktoren nichts anderes als regelbasierte Investment-Ansätze, die eine aktive Titelselektion unnötig machen. Die beiden vielleicht bedeutendsten Faktoren wurden  Anfang der 1990er Jahre von den Professoren Eugene Fama und Kenneth French nachgewiesen: Size und Value. Der Size-Faktor investiert ausschließlich in kleine Unternehmen, während der Value Faktor auf eine Unterbewertung der Unternehmen hinsichtlich ihrer Fundamentaldaten abzielt.

Welche Faktoren gibt es?

Das Wichtigste: Faktoren sind keine theoretischen Konstrukte, sondern sie sind investierbar. Professionelle institutionelle Investoren nutzen Faktoren bereits seit mehreren Jahrzehnten sehr erfolgreich. So nutzen mittlerweile 61%* aller institutionellen Investoren in Europa Faktor-Investing. Als bedeutendster Value-Investor aller Zeiten gilt Warren Buffett.

Was ist der Beta-Faktor?

Der Beta-Faktor wird auch Kapitalmarktprämie genannt und bezeichnet die Überrendite von Aktien-Investitionen gegenüber risikoarmen Anlagen wie Staatsanleihen von Ländern, die statistisch nie oder selten ausgefallen sind. Darunter werden in der Literatur insbesondere die Staatsanleihen von Deutschland und einiger US-amerikanischer Staaten verstanden. Das Beta stellt die Kompensation für die höheren Risiken dar, die von Aktionären getragen werden.

Was ist der Size-Faktor?

Der Size-Faktor bezeichnet den Effekt, dass Aktien kleinerer Unternehmen langfristig besser performen, als Aktien von großen Unternehmen. Dies wird oftmals als Risikoprämie dafür verstanden, dass es bei kleineren Unternehmen schwieriger ist, an öffentlich-fundierte Informationen zu kommen. Dieser Faktor wurde im Jahr 1992 von Nobelpreisträger Prof. Eugene Fama und Prof. Kenneth French entdeckt.

Was ist der Value-Faktor?

Der Value-Faktor beschreibt das Phänomen, dass günstig bewertete Unternehmen tendenziell höhere Renditen als teurer bewertete Unternehmen aufweisen. Wie „günstig“ oder „teuer“ ein Unternehmen ist, wird hinsichtlich betriebswirtschaftlicher Kennzahlen wie dem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) oder KBV beurteilt. Der Value-Faktor wird häufig damit begründet, dass Value-Unternehmen unabhängiger von Hypezyklen sind und somit insbesondere während Rezessionen besser performen.

Was ist der Momentum-Faktor?

Der Momentum-Faktor beschreibt die Tendenz, dass Aktien, die im Preis gestiegen sind, in naher Zukunft weiter steigen werden, wohingegen solche mit fallenden Kursen tendenziell weiter fallen werden. Der Momentum-Faktor wird oft dadurch erklärt, dass Aktienkurse neue Informationen nicht sofort vollständig einpreisen, sondern diese über einen gewissen Zeitraum verarbeitet werden. Der Momentum-Faktor wurde von Carhart nachgewiesen und gilt nach Value und Size-Faktor als einer der bedeutendsten Faktoren.

Was ist der Makro-Faktor?

Der Makro-Faktor bezeichnet den Effekt, dass Portfolios mit einer Gewichtung nach Bruttoinlandsprodukt höhere Renditen erwirtschaften als solche mit einer Gewichtung nach Marktkapitalisierung. Dies wird generell als Risikoprämie für die höheren politischen Risiken in Schwellenländern verstanden.

Welche Renditen weisen Faktoren auf?

Historisch betrachtet wiesen Faktoren höheren Rendite auf als der Gesamtmarkt. Faktor-Investing funktioniert allerdings am besten über die lange Frist. Denn einzelne Faktoren können durchaus auch einmal über mehrere Jahre am Stück schwächer abschneiden als der Markt. Die besten risikoadjustierten Ergebnisse erzielt man, wenn man Faktoren mit traditionellen Kapitalmarkt-Investments in einem Portfolio kombiniert. Ein Portfolio bestehend aus dem MSCI World und einem gleichgewichteten Faktor-Portfolio weist historisch eine höhere Sharp-Ratio auf, als der MSCI World allein. Durch die Hinzunahme des Faktor-Portfolios verbessert sich die jährliche Rendite, während die Volatilität nahezu gleich bleibt.