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Ist Nachhaltigkeit eine Sektorwette?

Wie kann die Branchenverteilung aussehen, wenn man nachhaltig investieren möchte?
Ist Nachhaltigkeit eine Sektorwette?

Statistische Gegebenheiten nutzen

Möchte ein Investor sein Geld für den Vermögensaufbau langfristig und nachhaltig investieren, so muss er einiges beachten. Das vermutlich wichtigste Konstrukt stellt hierbei die Diversifikation des eigenen Portfolios dar. Mittels Diversifikation möchte man sein eingegangenes Risiko minimieren, unter der Nebenbedingung eine gewünschte Rendite zu erzielen. Diversifikation wird dadurch erreicht, dass man sein investiertes Geld über Anlageklassen (Aktien, Anleihen etc.), Regionen oder auch Branchen hinweg verteilt.

Die zugrundeliegende Idee lässt sich anhand der Entwicklung unterschiedlicher Branchen während der Corona-Krise anschaulich erläutern. Während etwa die Automobilindustrie einen großen Umsatzeinbruch erlitt, konnten große Tech-Unternehmen wie etwa Amazon durch die verstärkte Nachfrage profitieren. Allgemein weist jede Branche ein individuelles Risikoprofil auf, weshalb diese sich auch unterschiedlich entwickeln. Die Folge ist, dass sie nicht perfekt miteinander korrelieren.

Der gewiefte Anleger kann sich diese statistische Gegebenheit zunutze machen und durch eine Investition in mehrere Branchen das Gesamtrisiko seiner Geldanlage verringern, ohne Rendite einzubüßen.

Wer dennoch nur in ausgewählte Branchen investiert, der geht mit solchen Sektorwetten teils erhebliche Risiken ein.

Nachhaltig investieren: Werden durch ESG-Kriterien Unternehmen ausgeschlossen?

Zusätzlich spielt das Thema Nachhaltigkeit auch am Finanzmarkt eine immer größere Rolle. Einige Branchen sind deutlich besser imstande, ökologische und soziale Nachhaltigkeits-Kriterien zu erfüllen als andere, wodurch die Gefahr einer Übergewichtung solcher Sektoren drohen kann. Aber ist das wirklich so? Grundsätzlich gilt Folgendes: je strikter der gewählte Nachhaltigkeitsansatz, desto mehr Unternehmen werden aus dem Anlageuniversum ausgeschlossen. So enthält etwa der bekannte MSCI World Index in seiner strikt nachhaltigen SRI-Version nur ca. 24 % der ursprünglich enthaltenen Werte. Beim MSCI ACWI SRI ist es noch eingeschränkter, hier schaffen es nur ca. 19 % in das Produkt. Was die Anzahl der enthaltenen Einzeltitel betrifft, findet man in den nachhaltigen Alternativen also einen deutlich geringeren Diversifikationsgrad. Bei der dennoch ausreichend großen Anzahl an enthaltenen Positionen ist dies allerdings nicht weiter bedenklich. Wie sich dieses stark eingeschränkte Anlageuniversum auf die Branchenverteilung beim nachhaltigen Investieren auswirken kann, wird beispielhaft an den Unterschieden von apeironinvest und apeirongreen aufgezeigt.

Quelle: Ginmon, Stand: 14.06.2021

Tatsächlich lässt sich zwischen beiden Portfolios eine veränderte Branchenverteilung erkennen. Während die drei Branchen mit dem größten Anteil bei der konventionellen Anlagestrategie der Finanzsektor, Informationstechnologie und Immobilien sind, sind es bei der nachhaltigen Investition der Finanzsektor, zyklische Konsumgüter und das Gesundheitswesen. Dass der Finanzsektor trotz Nachhaltigkeit das größte Gewicht beibehält, ist keine Überraschung, denn laut aktuellen Studien ist diese Branche mit vergleichsweise wenigen ESG-Risiken konfrontiert. Auch war zu erwarten, dass sich das Gewicht der Energiebranche um einen beachtlichen Anteil verringert. Grund ist die (aktuell) mangelnde Nachhaltigkeit von Unternehmen aus der Kohle-, Öl-, und Gasbranche sowie die durch sie entstehende hohe Umweltbelastung.

Betrachtet man die Branchenverteilung auf Index-Ebene, zeigen sich vergleichbare Ergebnisse. Als Beispiele dienen hier die breit angelegten Indizes MSCI All Country World Index (ACWI) und MSCI World. Bei der nachhaltigen Version sowohl des MSCI ACWI als auch des MSCI World stellt der Informationstechnologiesektor die größte Branche dar. Die meist digitale Produktpalette eines Unternehmens aus dieser Branche ist häufig mit einem vergleichsweise geringen CO2-Fußabdruck verbunden, weshalb viele dieser Unternehmen vertreten sind. Bei beiden betrachteten Indizes befindet sich der Finanzsektor auf dem zweiten Platz. Auffällig ist, dass sowohl Kommunikationsdienste als auch der Energie- sowie Versorgungssektor deutlich weniger vertreten sind.

Quelle: Ginmon, Stand: 14.06.2021

Fazit: Nachhaltig investieren ohne Klumpenrisiko

Insgesamt lässt sich erkennen, dass es zwar Unterschiede in der Branchenverteilung zwischen konventioneller und nachhaltiger Geldanlage gibt, diese aber in keinem der betrachteten Fälle für ein Ungleichgewicht gesorgt haben. Weder in den betrachteten Ginmon-Portfolios, noch bei den global gestreuten Indizes kam es zu signifikanten Sektorwetten. Durch die hier geprüften Nachhaltigkeitsfilter entstehen keine Klumpenrisiken und trotz der deutlich kleineren Anzahl an Wertpapieren ist eine ausreichende Diversifikation weiterhin gewährleistet. Die Unterschiede in der jeweiligen Branchengewichtung lassen sich durch die jeweiligen Charakteristika der Sektoren begründen. Den Unterschieden zwischen konventioneller und nachhaltiger Geldanlage sollten sich Anleger dennoch bewusst sein.

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