Abgeltungssteuer

In unserer heutigen Zeit ist die Altersvorsorge von großer Bedeutung. Man kann sich auf die staatliche Rente nicht mehr verlassen, weil zu Recht die Angst besteht, dass die Menschen älter und die Rentenkassen dadurch leerer werden. Aufgrund des demografischen Wandels wird es in Zukunft nicht mehr genug junge Arbeitskräfte geben, um ein ansprechendes Rentenniveau aufrechtzuerhalten. Mit Abgeltungssteuer, Aktien, Anleihen und Wertpapieren usw. besteht jedoch die Möglichkeit, ein passives Einkommen aufzubauen und einer Altersarmut vorzubeugen. 

Besteuerung auf Aktien

Aktien bieten Dividenden, die den Anlegern ein nettes regelmäßiges Einkommen bescheren. Doch wie werden diese besteuert? Neben der tariflichen Einkommensteuer von bis zu 45% hat der Gesetzgeber 2009 die sogenannte Abgeltungssteuer von 25% eingeführt. Aufgrund des „Steuerdschungels“ ist die Besteuerung in Deutschland alles andere als eindeutig. Die Abgeltungssteuer bringt zumindest im Bereich der Kapitaleinkünfte einigermaßen Klarheit.

Definition und Eigenschaften der Abgeltungssteuer

2009 hat der Gesetzgeber entschieden, das alte System, das Gewinne aus Kapitalvermögen tariflich besteuerte, aufzugeben und Kapitaleinkünfte als sogenannte „gesonderte Schedule“ separat zu besteuern. Hintergrund der Änderung war es, zu verhindern, dass Reiche mit ihrem Kapital vor den Steuern ins Ausland, wie z.B. in das Steuerparadies Schweiz, flüchten. Deutschland als Finanzplatz sollte attraktiver gemacht und ein Anreiz geboten werden, die Steuern in Deutschland zu bezahlen. Zur damaligen Zeit war die Dunkelziffer nichtversteuerten Geldes im Ausland nämlich immens hoch.

„Lieber 25 Prozent auf X als 42 Prozent auf nix“. So rechtfertigte Peer Steinbrück sein Handeln vor Kritikern, die meinten, dass diese Steuer ein Geschenk für Reiche sei.
Ärmere Leute haben jedoch keinen Nachteil, denn sie müssen die 25% nicht zahlen, da sie nach wie vor entsprechend ihres Tarifs besteuert werden. Angenommen, ein Steuerpflichtiger würde jährlich nur 10 000 Euro verdienen, könnte er die sogenannte Günstigerprüfung in Anspruch nehmen. Dadurch müsste er nur den entsprechend niedrigeren tariflichen Steuersatz zahlen.

Die Abgeltungssteuer ist eine pauschal erhobene Steuer, die für jegliche Kapitalerträge wie Dividenden, Zinsen und realisierte Kursgewinne erhoben wird. Diese werden mit 25% zuzüglich Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer besteuert. So heißt es in § 32d Abs. 1 Einkommensteuergesetz: „Die Einkommensteuer für Einkünfte aus Kapitalvermögen (…) beträgt 25 Prozent.“ Die Abgeltungssteuer wird auf Lebensversicherungen, Abgeltungssteuer Aktien (Dividenden und realisierte Kursgewinne), Anleihen und Investmentfonds festgesetzt. Diese wird direkt von der Bank abgeführt, sobald beim Aktienverkauf Kursgewinne anfallen, sodass der Gewinn nicht mühevoll beim Finanzamt angegeben werden muss.

Es gibt aber auch Ausnahmen der Abgeltungssteuer: Die Abgeltungssteuer gilt nicht, wenn Gläubiger und Schuldner einander nahestehende Personen sind, um zu vermeiden, dass unerwünschte Gestaltungen gewählt werden.

Nachteile durch die Abgeltungssteuer

Für steuerpflichtige Personen entstehen durch die Abgeltungssteuer aber auch gewisse Nachteile. Normalerweise werden von den Einnahmen die Ausgaben abgezogen und lediglich der Gewinn bzw. Überschuss besteuert. Dies gilt bei der Abgeltungssteuer aufgrund ihrer sogenannten abgeltenden Wirkung nicht – durch den niedrigen Steuersatz sollen eventuelle Aufwendungen schlicht abgegolten werden. Somit entsprechen die Einnahmen dem Überschuss. Zinsen aus Wertpapierkrediten, Depotgebühren etc. können nicht abgezogen werden – lediglich Transaktionsgebühren bei Kauf und Verkauf dürfen abgezogen werden.

Um diese Wirkung etwas abzumildern, besteht der sogenannte Sparerpauschbetrag gemäß § 20 Abs. 9 Einkommensteuergesetz – ein Abgeltungssteuer Freibetrag, bis zu dem der Überschuss nicht besteuert wird. Bei ledigen Personen beträgt dieser Freibetrag 801 Euro, bei Ehegatten, die zusammen veranlagt werden, erhöht sich der Abgeltungssteuer Freibetrag auf 1602 Euro. Bei der Bank kann pauschal der Sparerpauschbetrag berücksichtigt werden, um bereits während des Jahres Überschüsse frei zu stellen.

Fazit und mögliche Abschaffung der Abgeltungssteuer

Hat sich die Abgeltungssteuer eigentlich für den deutschen Staat gelohnt? Der Gesetzgeber hatte die Vorstellung durch die Abgeltungssteuer viel höhere Steuereinnahmen zu generieren, da den Reichen ein Anreiz geboten werden sollte, Einnahmen in Deutschland zu realisieren. Dennoch wurde dieser Wunsch nicht Wirklichkeit. Die Einnahmen nach der Abgeltungssteuer sind nämlich stetig zurückgegangen und stehen den früheren Einnahmen durch die tarifliche Einkommensteuer auf Kapitaleinkünfte weit nach. Es ist jedoch fraglich, wie diese Entwicklung zu würdigen ist, da auch aufgrund des niedrigen Zinsniveaus schlicht weniger Einkünfte aus Kapitalvermögen verdient werden.

Ob sich die Abgeltungssteuer noch langfristig halten wird, ist jedenfalls unsicher. Insbesondere die Linken, die SPD und die Grünen wollen die Abgeltungssteuer abschaffen und den tariflichen Steuersatz entsprechend der früheren Regelung festsetzen. Es wird kritisiert, dass reiche Schichten durch diese Steuer einen ungerechtfertigten Vorteil genießen, während die Gehälter und Löhne meistens höher besteuert werden.  Für Erträge aus Zinseinkünften – mithin Anleihen – hält der laufende Koalitionsvertrag zwischen SPD und Union fest, nicht mehr länger die Abgeltungssteuer anzuwenden. 

Da die Schweiz als Steuerparadies nicht mehr zur Verfügung steht, ist der generelle Anreiz, die Gelder im Ausland dem deutschen Fiskus zu entziehen, signifikant gesunken, sodass der ursprüngliche Zweck der Abgeltungsteuer nicht mehr besteht. Dagegen hat die Abgeltungsteuer den Charme, dass das Besteuerungsverfahren bei Einkünften aus Kapitalvermögen wesentlich vereinfacht und die Finanzverwaltung somit entlastet wurde.