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Der schlechtesteInvestor der Welt

So mancher Privatanleger bekommt bei stärkeren Marktbewegungen kalte Füße. Aus Angst vor Kursrückgängen erscheint es immer wieder für viele Anleger sinnvoll, Wertpapiere zu verkaufen, um so Verluste zu begrenzen. Anschließend wird oft versucht, mit dem “geretteten” Geld zu einem günstigeren Zeitpunkt wieder einsteigen zu können. Jeder Anleger wünscht sich, durch perfektes Market-Timing am Tiefpunkt zu kaufen und am Hoch verkaufen zu können. Doch was ist, wenn das nicht klappt? Im Folgenden möchten wir uns mit der Fragestellung auseinandersetzen, was passiert wäre, wenn man immer mit dem denkbar schlechtesten Timing investiert hätte und dennoch einfach investiert geblieben wäre?
Der schlechtesteInvestor der Welt

Ein Leben lang Pech

Wir stellen uns einen Investor vor, welcher über die vergangenen 50 Jahre in den Aktienmarkt investierte. Zur Vereinfachung betrachten wir mit dem S&P 500 den amerikanischen Leitindex. Anstatt mit regelmäßigen kleinen Investitionen anzulegen, hat unser Anleger sein Geld auf dem Girokonto verwahrt, bis sich die Börsen an ihren höchsten Punkten befanden. Neben einer Anfangsinvestition von 10.000 US-Dollar gehen wir zusätzlich davon aus, dass unser Anleger monatlich 300 US-Dollar zur Seite legt und auf dem Girokonto verwahrt. Diese monatliche Sparrate summiert sich auf und wird jeweils zu ausgewählten Höchstständen investiert. Zinsen, welche es im aktuellen Marktumfeld auf ein Girokonto ohnehin nicht gibt, bleiben zur Vereinfachung unberücksichtigt. Die folgende Grafik zeigt die historische Marktentwicklung des S&P 500 auf einer logarithmischen Skala.
Quelle: Ginmon, Bloomberg, logarithmierte Skalierung; Stand: 15.12.2021

Die in der Grafik grün dargestellten Zahlen stellen den Stand des S&P 500 zum jeweiligen Zeitpunkt einer Einzahlung dar. Unser fiktiver Anleger investiert am Jahresbeginn 1973 zum Höchststand des S&P 500 bei ca. 120 Punkten insgesamt 10.000 US-Dollar. Kurz darauf gerät die Weltwirtschaft durch stark steigende Ölpreise aus dem Gleichgewicht, wodurch der Markt zwischenzeitlich um mehr als 50 Prozent einbricht. Ein denkbar unschöner Einstieg in den Kapitalmarkt. Im Jahr 1980 erreicht der Index neue Höchststände bei ca. 140 Punkten. Die über die vergangenen sieben Jahre angehäuften Sparraten werden erneut zum Allzeithoch angelegt, bevor eine erneute Ölkrise den Aktienmarkt korrigieren lässt. Erneut hatte unser Anleger großes Pech. Wiederum sechs Jahre später hat sich der S&P 500 mehr als verdoppelt und verzeichnet ein Hoch bei ca. 336 Punkten. Die über die zwischenzeitlich vergangenen sechs Jahre angesparten 24.000 US-Dollar werden zum Hoch investiert. Anschließend folgt der Börsencrash im Oktober 1987, welcher auch als Black Monday bekannt ist.

Nach dem Ausbleiben eines deutlichen Rücksetzers im folgenden Jahrzehnt bietet sich erst wieder die Dotcom-Blase als Einstiegszeitpunkt für unser Gedankenspiel an. Zum Höchststand von ca. 1530 Punkten werden die hart angesparten 45.300 US-Dollar investiert, bevor der Aktienindex fast die Hälfte seines Werts verliert. Ebenfalls vor der Weltfinanzkrise 2008/2009 werden zum Hoch von ca. 1560 Punkte zuvor angesparte 26.700 US-Dollar angelegt, bevor der Leitindex um mehr als 50 Prozent einbricht. Eine letzte Investition in Höhe von 44.100 US-Dollar zum Stand von 3381 Punkten wurde kurz vor dem Covid-19-Crash im Jahr 2020 getätigt.

Wie hätte sich das Depot entwickelt?

Unser beispielhafter Anleger hat also kurz nach jeder Investition heftige Einbußen zu verzeichnen gehabt. Insgesamt wurden über knapp 49 Jahre 178.300 US-Dollar zu sechs Höchstständen investiert. Trotz des ganzen Pechs in der jeweiligen Anfangsphase ergibt sich annualisiert eine zeitgewichtete Rendite von 7,25 Prozent, was in etwa dem historischen Marktdurchschnitt entspricht.

Quelle: Ginmon, Bloomberg; Stand: 15.12.2021

Selbstverständlich ist das Szenario, immer zum teuersten Preis zu investieren und dann direkt in einen Börsencrash hineinzurutschen, kein realistisches Szenario. Es gibt jedoch einige Lehren, die man aus diesem Gedankenspiel ziehen kann. 

Was hat der schlechteste Investor der Welt gelernt?

Trotz des größtmöglichen Pechs bei den Einstiegszeitpunkten ergibt sich über die Jahre dennoch ein hervorragendes Ergebnis. Zurückzuführen ist dieses Ergebnis besonders darauf, dass zu keinem Zeitpunkt verkauft wurde und somit die Verluste während der Crashs nicht realisiert wurden. Kurzfristige Kursrückgänge und härtere Korrekturen sind am Kapitalmarkt ganz gewöhnlich und auch gesund. Auf lange Frist kann man trotz allem mit einer positiven Marktentwicklung rechnen. Ebenfalls fällt durch die Dauer des Anlagehorizonts von knapp 49 Jahren der Zinseszins-Effekt ins Gewicht. Wie die Vergangenheit anschaulich belegt, ist eine positive Rendite auf Dauer also selbst dann zu erreichen, wenn man unendlich viel Pech hätte.

Um das Risiko von schlechten Einstiegszeitpunkten zu vermeiden, können Anleger ihr Geld über mehrere Transaktionen oder einen regelmäßigen Sparplan verteilen. Besonders bei letzterem lässt sich der sogenannte Cost-Average-Effekt nutzen. Da ein punktgenaues Timing für eine Investition schlichtweg nicht möglich ist und die Kombination aus Zeit und Zinseszins eine immense Rolle spielt, sollte man sich keine zu großen Sorgen um den passenden Einstieg machen, sondern jetzt investieren und die Anlagesumme nach Möglichkeit stetig weiter aufstocken. 

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