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Beeinflusst das Investitionsverhalten von Finanzberatern deren Beratung?

Inwiefern korrelieren die Anlageempfehlungen von Finanzberatern mit deren persönlichen Anlagepräferenzen und welche Folgen hat das für die Kunden von Finanzberatern? Eine neue Studie gibt Aufschluss.
Beeinflusst das Investitionsverhalten von Finanzberatern deren Beratung?

Zwischen Finanzberatern und deren Kunden kann es auf vielen Wegen zu Interessenkonflikten kommen. Die Aufgabe von Finanzberatern ist es, für ihre Kunden eine unabhängige und kosteneffiziente Anlageempfehlung auf Basis der jeweiligen Präferenzen auszusprechen. Dabei muss explizit auf die individuellen Bedürfnisse wie etwa Anlagehorizont oder auch Risikoneigung des Kunden eingegangen werden. Aber sind Finanzberater wirklich flexibel genug, um auf die Anlagebedürfnisse aller Kunden eingehen zu können oder bedienen sie sich an einigen, ihnen bekannten Anlageprodukten, welche sie womöglich auch selbst für die private Geldanlage nutzen?

Auf diesem Gedankengang aufbauend befasst sich die jüngste Studie von J. Linnaimaa, B. Melezer und A. Previtero “The misguided Beliefs of Financial Advisors”, welche im November 2021 veröffentlicht wurde, mit den folgenden drei Fragestellungen:

  1. Gibt es Ähnlichkeiten bei der Wahl von Anlageprodukten von Finanzberatern und ihren Kunden?
  2. Nutzen Berater Anlageprodukte mit ähnlichen Gebühren wie jene, die sie ihren Kunden empfehlen?
  3. Sind Berater überoptimistisch bezüglich ihrer Fähigkeit aktive Manager identifizieren zu können, welche passive Anlagen schlagen?

Die Erwartung an eine unabhängige und kosteneffiziente Anlageberatung ist, dass die persönlichen Anlagepräferenzen des Finanzberaters keinen Einfluss auf die ausgesprochenen Empfehlung gegenüber deren Kunden haben. Die betrachtete Studie basiert auf Daten von ca. 4.000 Finanzberatern und deren etwa 500.000 Kunden. Die Ergebnisse der Studie sind die Folgenden:

1. Gibt es Ähnlichkeiten bei der Wahl von Anlageprodukten von Finanzberatern und ihren Kunden?

Ja, viele Berater verfolgen mit der persönlichen privaten Auswahl von Anlageprodukten eine vergleichbare Anlagestrategie wie die, die sie Ihren Kunden empfehlen. Berater sowie Kunden erwerben bevorzugt aktiv verwaltete und tendenziell teurere Fonds, welche in der Vergangenheit ein Mindestmaß an Erträgen aufweisen konnten. Wenn sich die gewählten Anlageprodukte zwischen Berater und deren Kunden nicht überschneiden, tendieren Berater bei ihren persönlichen Anlagen dazu, ein höheres Risiko und teurere Produkte zu wählen. Die Folge von hohem Risiko und großen Kostenpositionen ist sowohl für den Berater als auch für den Kunden eine im Durchschnitt schlechtere Rendite von bis zu 3 % pro Jahr ggü. dem Gesamtmarkt. Eine Erklärung hierfür ist, dass Berater versuchen, den Markt zu schlagen und glauben, dass das mit besonders teuren Produkten wahrscheinlicher gelingen wird. Dabei wird eine hohe Kostenquote getreu dem Motto “Qualität hat eben ihren Preis” als eine Art Qualitätsmerkmal des Fondsmanagers gesehen.

2. Nutzen Berater Anlageprodukte mit ähnlichen Gebühren wie jene, die sie ihren Kunden empfehlen?

Ja, die durchschnittlichen Kostenstrukturen der gewählten Anlageprodukte beider Parteien sind vergleichbar. Laut der Studie bezahlen Finanzberater privat im Schnitt jährlich 2,44 % Gebühren, Kunden im Schnitt 2,35 % pro Jahr. Berater empfehlen im Durchschnitt also keine teureren Anlageprodukte als die, die sie selbst für die eigene private Geldanlage nutzen. Berater, welche bei der eigenen Geldanlage auf teurere Anlageprodukte zurückgreifen, empfehlen ihren Kunden tendenziell auch eher teurere Produkte.

3. Sind Berater überoptimistisch bezüglich ihrer Fähigkeit aktive Manager identifizieren zu können, welche passive Anlagen schlagen?

Ja, die Performance von Berater-  sowie Kundenportfolios sind auf risikoadjustierter Basis schlechter als die des jeweiligen Referenzmarkts. Das bedeutet, dass die Portfolios sowohl von Beratern als auch deren Kunden bei vergleichbarem Risiko einen geringeren Kursanstieg vorweisen können als die Benchmark. Die Studie zeigt auch, dass mit einer höheren Rendite bei der privaten Geldanlage des Beraters gleichzeitig die durchschnittliche Rendite der jeweiligen Kunden steigt. Vereinfacht gesprochen gibt es also einen Zusammenhang zwischen der Auswahl und Entwicklung der Anlageprodukte des Beraters bei seiner eigenen Geldanlage und der seiner Kunden. Treffen Berater bei der eigenen Geldanlage schlechte Entscheidungen, überträgt sich diese auch auf seine Kunden. Lediglich etwa die Hälfte aller in der Studie betrachteten Berater empfehlen ihren Kunden Anlageprodukte, welche den Markt vor Abzug aller Kosten im jeweiligen Betrachtungszeitraum geschlagen haben. Zusätzlich halten die Berater im Durchschnitt privat unterdiversifizierte Portfolios, was sich auch bei deren Kunden erkennen lässt.

Zusammenfassung

Die Studie deckt auf, dass Finanzberater ihre persönlichen Anlagepräferenzen auf ihre Kunden übertragen. Dabei empfehlen sie tendenziell solche Anlageprodukte, die sie auch privat nutzen und wählen Produkte mit ähnlichen Gebührenstrukturen wie die privat genutzten. Damit tragen Berater aktiv zu einer schlechteren Performance ihrer Kunden gegenüber dem breiten Markt bei. Erwirtschaften Berater mit der privaten Geldanlage im Gegensatz zum Referenzmarkt schlechtere Renditen, ist dies häufig auch bei deren Kunden der Fall. Auch das eingegangene Risiko von Kunden hängt von den Präferenzen des Beraters ab. Hält dieser ein unterdiversifiziertes Portfolio, ist dies auch oftmals bei seinen Kunden der Fall. Die Aufgabe von Finanzberatern ist es jedoch, ihren Kunden Anlageempfehlungen auszusprechen, welche frei von eigenen Präferenzen und auf den Kunden zugeschnitten sind. Ist dies nicht der Fall, dann liegt ein Interessenkonflikt vor.

Die betrachtete Studie konnte im Rahmen des vorhandenen Datensatzes eine Voreingenommenheit von Finanzberatern bezüglich ihrer Finanzberatung aufzeigen. Eine Limitation der Studie ist, dass sie sich ausschließlich auf kanadische Berater und deren Kunden bezieht, weshalb die Ergebnisse nicht zwingend auf den deutschen Markt übertragbar sind. Auch sollte nicht außer Acht gelassen werden, dass es sich hier um Durchschnittswerte handelt. Im Zweifelsfall müssen sich Interessenten immer genau über den jeweiligen Finanzberater informieren, denn auch in der betrachteten Studie gibt es positiv herausstechende Beispiele für wirklich effiziente, unabhängige und unbefangene Finanzberatung.

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