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Japanische Immobilienblase

Nach einer Phase des enormen Wirtschaftswachstums in den 1980er-Jahren entwickelte sich insbesondere auf dem japanischen Immobilienmarkt zunehmend eine Blase, die schlussendlich im Jahre 1990 geplatzt ist. Immobilienpreise und Aktienwerte stürzten infolgedessen in kürzester Zeit stark ab und Japan kämpfte mehr als ein Jahrzehnt gegen eine heftige Rezession.

Wie hat sich die japanische Immobilienblase gebildet?

Die japanische Wirtschaft war seit dem Zweiten Weltkrieg stark vom globalen Handel abgeschottet. Die Regierung versuchte damit heimische Unternehmen zu stärken und weiter aufzubauen. Diese Strategie sorgte zu Beginn der 80er-Jahre für ein enormes Wirtschaftswachstum. Die Wirtschaft wuchs jährlich um fast 4 %, deutlich schneller als andere Industrienationen. Der Anteil am Welthandel überstieg 10 %, die Handelsüberschüsse waren enorm und das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf überstieg fast das der USA. Jedoch führten strukturelle Probleme in Japan zu einer vertikalen Wirtschaftsstruktur aus Konglomerat und Oligopolen, was zu Preisabsprachen und somit verteuerten Preisen für Konsumgüter führte.

Durch den Protektionismus und die Abschottung der Wirtschaft wurden Güter zusätzlich verteuert, einige Güter waren in Japan zu Beginn der 80er-Jahre bis zu sechsmal so teuer wie beispielsweise in den USA oder Europa. Zeitgleich war der japanische Yen in Relation zum US-Dollar deutlich unterbewertet. Die USA sahen diese Entwicklungen skeptisch und drängten darauf, dass der Yen zum US-Dollar aufgewertet werden solle. Im sogenannten “Plaza-Abkommen” von 1985 wurde genau dies vereinbart. Die G5-Staaten einigten sich auf eine kontrollierte Abwertung des US-Dollars und eine gleichzeitige Aufwertung des Yen und der Deutschen Mark, um das Handelsdefizit der USA zu verringern.

Die Folge des Abkommens war eine rasante Aufwertung des Yen, welcher bis 1988 um ganze 73 % zum US-Dollar aufwertete. Spekulanten sahen in diesen Entwicklungen ein enormes Potenzial und tätigten hohe Investitionen sowohl in die Währung selbst als auch in den japanischen Aktien- und Immobilienmarkt. Alles, was man in Yen kaufen konnte, wurde vom Markt aufgesaugt. Durch diese Spekulationen wurde die Preisspirale immer weiter nach oben gedreht, der Aktienmarkt wuchs immer weiter und Immobilienpreise stiegen immens. Auf dem Höhepunkt der Blase war der Park des Kaiserpalastes im Zentrum von Tokyo nach Schätzungen genauso viel wert, wie alles Land in Kalifornien zusammen. Zu dieser Zeit waren fast zwei Drittel des gesamten Weltimmobilienwertes in Tokyo konzentriert.

Wie platzte die Blase?

Japanische Unternehmen reagierten auf die Dollarabwertung mit Preissenkungen und die Bank of Japan (BoJ) setzte niedrige Leitzinsen. Als die BoJ im Jahre 1990 die Zinsen nun wieder anheben wollte, stürzte der Immobilien- und Aktienmarkt in sich zusammen und die Blase platzte. Der Wert japanischer Immobilien sank um mehr als ein Viertel und mehrere japanische Banken mussten Konkurs anmelden, da sie auf ihren Krediten sitzen blieben. Da viele dieser Kredite durch überteuerte Immobilien abgesichert waren, stürzte der Wert von Immobilien immer weiter. Die Spirale drehte sich nun nach unten.

Die Wirtschaft konnte sich von diesem Einbruch auch Jahre später nicht erholen, bis 2007 sanken die Preise für Immobilien weiter. Die Zeit der Rezession wurde von Deflation und Stagnation geprägt, während die japanische Staatsverschuldung drastisch anstieg. Das 1989 erreichte Allzeithoch des Nikkei 225 konnte bis heute nicht wieder erreicht werden. Im Jahr 2021 konnte der Index erstmals seit 1990 wieder ein Niveau von 30.000 Punkten erreichen.

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