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Dieselskandal

Am 18. September 2015 hat Volkswagen AG bestätigt, eine illegale Abschalteinrichtung (Englisch: „defeat device“) verwendet zu haben.

Dieselgate

Diese illegale Abschalteinrichtung hat bei Abgastests die Emissionen vermindert und dadurch an die US-amerikanischen Normen angepasst. Laut Volkswagen AG waren rund 11 Millionen Autos mit entsprechender Software von der Manipulation betroffen. Erfahren Sie hier, was genau der VW Emissionsskandal ist, wie der Betrug bekannt geworden ist und welche Folgen dies hatte.

So hat der Emissions-Betrug funktioniert

Volkswagen hat in die Autos eine spezielle Software eingebaut, die dazu fähig war, zu erkennen, ob der Wagen sich im Prüfbetrieb befindet. Sollte dies der Fall sein, senkte die Software die Emissionen durch die Abgasreinigung so, dass sie die US-amerikanische Abgasgrenze unterschritten. Hatte das System festgestellt, dass das Auto sich im Normalverkehr befindet, hat es die Abgasreinigung wieder eingestellt, wodurch die tatsächlichen Stickoxid-Emissionen auf, bis das 40-fache des Grenzwertes stiegen.

Direkte Folgen der Bekanntgabe des Betrugs

Schon 2014 hat eine Gruppe Wissenschaftler von der Universität West Virginia erhöhte Emissionswerte bei einigen Modellen der Marke Volkswagen in den USA aufgedeckt. Dies wurde von Volkswagen damals noch dementiert.
Ab September 2015 war es bereits jedem bekannt, dass die von der VW AG angegebenen Emissionswerte der Realität nicht entsprechen. Am 18. September hat die Volkswagen AG zugegeben, illegalerweise den Stickoxid-Ausstoß an die Regelungen angepasst zu haben.
Im Zuge des Abgasskandals 2015 ist der Aktienkurs der VW AG um fast 60 % von €247 auf €97 eingebrochen. Das Allzeithoch von Anfang 2015 ist bis heute noch immer nicht wieder erreicht worden.

Welche Autohersteller waren involviert?

Volkswagen war mit 12 betroffenen Modellen offenbar der größte Teilnehmer des Betruges. Nichtsdestotrotz waren auch andere Autohersteller aus der VW-Gruppe wie Audi (9 Modelle), Seat (6 Modelle), Skoda (6 Modelle), Porsche sowie der französische Hersteller Renault dabei. Insgesamt waren rund 11 Millionen Autos von diesen Herstellern von der Manipulation betroffen. 

Weitere Vorwürfe gegen Volkswagen

Im Jahr 2016, als ein VW-Ingenieur mitgeteilt hatte, dass die Arbeit an Emissions-Manipulierungen bereits im Jahr 2006 anfing, wurde auch bekannt, dass die USA Strafzahlungen und Schadenersatz in Höhe von mindestens 15 Milliarden US-Dollar fordern würden.
2017 berichtete “Der Spiegel”, dass die Autohersteller sich bereits seit der 1990er-Jahren mehrmals versammelt hatten, um Preise, Lieferanten und technologische Forschung (inklusive “Defeat Devices”) abzusprechen.
2018 lag der Anteil von Dieselautos an allen neu angemeldeten Autos mit 33 % noch immer um 17 % niedriger als vor dem Dieselskandal.
2019 teilte die Europäische Kommission mit, dass BMW, Daimler und Volkswagen im Zeitraum zwischen 2006 und 2014 gegen die EU-Kartellvorschriften verstoßen haben, indem sie sich darauf verständigten, den Wettbewerb bei der Entwicklung der Technologien zur Reinigung der Emissionen von Diesel- und Benzin-PKWs einzuschränken.
2020 hat Bundesgerichtshof festgestellt, dass weitere 60.000 betroffene Autos einen Anspruch auf Schadenersatz haben. Volkswagen musste daraufhin weitere 830 Millionen Euro an Rückstellungen bilden.

Folgen des Dieselskandals

Volkswagen hatte zuvor seine Autos als besonders umweltfreundlich angepriesen, daher war der Dieselskandal für viele Konsumenten Augen-öffnend. Laut einer Umfrage, die nach dem Emissionsskandal durchgeführt wurde, haben sich 11 % der Leute, die am Kauf eines VW-Autos interessiert waren, entschieden, keinen Wagen dieser Marke mehr zu kaufen.
Auch das Top-Management des Konzerns war betroffen: im Jahr 2021 wurde Oliver Schmidt, der frühere Leiter des Umweltbüros von VW in den USA, zu 7 Jahren Gefängnis verurteilt. Weitere Verfahren laufen gegen andere Manager. Der damalige VW Chef Martin Winterkorn ist bis heute nicht angeklagt worden.
Selbstverständlich kam es auch zu Wagenrückrufen: in den USA musste Volkswagen rund 600.000 betroffene Fahrzeuge zurückrufen. In Deutschland ordnete das Kraftfahrt-Bundesamt für etwa 2,4 Millionen Autos Rückrufe an.
Finanziell war Volkswagen auch stark betroffen: Das Unternehmen musste im dritten Geschäfts-Quartal 2015 zum ersten Mal seit 15 Jahren ein negatives EBIT (operativer Gewinn vor Steuern und Zinsen) in Höhe von 3,5 Milliarden Euro ausweisen. Der Gewinn der Marke Volkswagen ist im 1. Quartal 2016 von 514 Mio. Euro im Vorjahr auf 73 Mio. Euro eingebrochen.

Die Strafen und Entschädigungen, die Volkswagen verbucht und bezahlt hat, betrugen allein in Nordamerika 25 Milliarden Euro. Wenn man alle Strafen weltweit zusammenzählt, summiert sich der Betrag auf 30 Milliarden. Experten warnen jedoch, dass die Summe aller Strafen und Entschädigungen bis auf 35 Milliarden Euro steigen kann.

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