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Was ist die Asienkrise?

Die Asienkrise war eine Finanz-, Währungs- und Wirtschaftskrise in Ostasien in den Jahren 1997 bis 1998. Sie begann im März 1997 in Thailand und breitete sich in Südostasien auf die sogenannten Tiger- und Pantherstaaten aus.

Was ist die Asienkrise?

Südostasiatische Länder zeichneten sich in der Phase vor der Krise durch einen starken Wirtschaftsboom aus. Der Zugang zu billigen Arbeitskräften in der Region hatte dazu geführt, dass vor allem europäische und japanische Unternehmen Teile der Wertschöpfungskette in diese Region auslagerten, was die Wirtschaft dort weiter ankurbelte. Die Wachstumsraten von Ländern wie Indonesien, Malaysia oder Thailand lagen von 1990 bis 1996 im jährlichen Durchschnitt zwischen 5 und 9 % und übertrafen damit das Wachstum der meisten Industrienationen. Dieses starke Wachstum brachte den Ländern auch den Titel “Tigerstaaten” ein. Thailand hatte das Ziel, Bangkok zum Finanzmittelpunkt Südostasiens zu machen und regte die Ansiedlung von Finanzintermediären in der Stadt an.

Doch mit dem starken Wirtschaftswachstum folgten auch strukturelle Probleme, welche zunächst unbemerkt blieben. So zeichnete sich diese Phase durch ein extremes Wachstum des Kreditvolumens aus, welches mit 8 bis 10 % über dem BIP-Wachstum der Länder lag. Hohe Kredite wurden ausgegeben, wobei die Kriterien zur Kreditvergabe sehr großzügig gehandhabt wurden. Dies förderte hohe Investitionen in den Aktien- und Immobilienmarkt der Tigerstaaten, Preise stiegen in die Höhe. Das Wachstum weckte auch das Interesse einiger Industrienationen, welche hohe Investitionen tätigten und Kredite vergaben. Dies wurde insofern problematisch, als die Auslandsschulden der asiatischen Länder, die in Fremdwährungen (meist US-Dollar) ausgegeben waren, die Währungsreserven des eigenen Landes weit überschritten. Unzureichend funktionierende Aufsichtsbehörden konnten den anfallenden Schuldenberg nicht überblicken und ein großer Teil der betroffenen Banken wies eine deutlich zu niedrige Eigenkapitalquote auf. Hinzu kam, dass viele asiatische Währungen künstlich an den US-Dollar gekoppelt waren, was schlussendlich einer der Katalysatoren der Krise war. Auch als die 90er-Jahre besonders durch Wirtschaftswachstum der USA geprägt waren, hielten die asiatischen Zentralbanken an der Währungskopplung fest.

Im Jahr 1997, als in Thailand erste Finanzinstitute aufgrund von Geldknappheit ihre Kredite nicht zurückzahlen konnten und zur Zahlung ihrer Schulden neue Kredite aufnehmen mussten, begann das Kartenhaus zu bröckeln. Die Zentralbank Thailands vergab heimlich Liquidität an betroffene Unternehmen, konnte aber die eigenen angehäuften Schulden nicht mehr aus Reserven der Zentralbank bezahlen. In der Folge gab Thailand die Währungskopplung an den US-Dollar auf, wodurch der thailändische Baht innerhalb kürzester Zeit zwischen 15 und 20 Prozent verloren hat. Durch diese drastische Währungsabwertung stiegen die in US-Dollar denominierten Schulden thailändischer Unternehmen an, sodass diese ihren Verpflichtungen nicht länger nachkommen konnten. Kurz darauf mussten auch weitere asiatische Länder, wie etwa Singapur oder Hongkong, heftige Einstürze ihrer jeweiligen Währung hinnehmen. Die einst starken Tigerstaaten wiesen nun enorme Auslandsschulden auf, denen sie nicht länger nachkommen konnten. Alleine Thailand hatte zu diesem Zeitpunkt 90 Milliarden US-Dollar Schulden im Ausland, Indonesien sogar ganze 113 Milliarden US-Dollar. In der Folge stürzten auch Immobilienpreise und Aktien der betroffenen Staaten drastisch.

Asienkrise

Quelle: Ginmon, MSCI; Stand: 30.06.2021

Nur durch das Eingreifen der Weltbank und des Internationalen Währungsfonds (IWF), die mehrere große Hilfspakete für die Region beschlossen, konnte ein noch tieferer Absturz der Wirtschaft verhindert werden. Um die Situation zu entschärfen, reagierte die Weltbank mit den bis dato höchsten Kreditzusagen ihrer Geschichte, nämlich einer Summe von 28,6 Milliarden US-Dollar.

Auswirkungen auf Tigerstaaten und Industrienationen

Durch die Krise verloren mehrere Millionen Menschen in Südostasien ihre Arbeit. In Indonesien verdoppelte sich die Arbeitslosenquote auf knapp 10 %, in Südkorea stieg sie auf ca. 7 %. Besonders hart traf es aber Thailand. Das Land hatte vor der Krise fast Vollbeschäftigung erreicht, Ende 1997 waren rund 1,2 Millionen bzw. 3,4 Prozent Arbeitslose zu verzeichnen. Doch auch größere Volkswirtschaften blieben nicht verschont. Besonders betroffen war dabei das bereits angeschlagene Japan, dem ein erneuter Rückfall in die Rezession drohte. Der japanische Nikkei verlor zwischen Juli 1997 und Oktober 1998 über 7.000 Punkte bzw. fast 40 Prozent. Russland, welches ohnehin Probleme mit einem immensen Haushaltsloch, dem damals niedrigen Rohölpreis und den gesundheitlichen Problemen des Präsidenten Jelzin hatte, verlor bis Mitte 1998 fast vier Fünftel seines Wertes. Es folgte eine Abwertung der russischen Währung um über 50 %, was die gesamte russische Wirtschaft kollabieren ließ.

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