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Wer (nicht) von derRohstoffkrise profitiert

Noch im Februar haben wir in unserem Marktkommentar “Politische Börsen haben kurze Beine” über Krisendiplomatie und die Angst vor Krieg diskutiert. Dass wir bereits am Ende des Monats von einem tatsächlichen Krieg sprechen müssen, hat wohl kaum jemand für möglich gehalten. Ende Februar 2022 hat Russland offiziell die Ukraine angegriffen, die Situation ist auch zwei Wochen später höchst unübersichtlich. Neben den fatalen humanitären Folgen hat die Invasion auch enormen Einfluss auf die internationalen Kapitalmärkte. Das aktuelle Marktumfeld stellt derzeit eher eine Achterbahnfahrt als ein rationales Umfeld dar. In der Folge sind auch Begriffe wie Inflation oder Lieferkettenprobleme wieder in aller Munde.
Wer (nicht) von derRohstoffkrise profitiert

In diesem Marktkommentar werden wir keine Kriegshandlungen kommentieren oder über mögliche Ausgänge spekulieren; vielmehr betrachten wir genauer, wie einzelne Anlageklassen reagieren und wie Anleger sicher durch das aktuelle Marktumfeld navigieren können. Zusätzlich betrachten wir anhand des aktuellen Beispiels einen signifikanten Unterschied zwischen konventionellen und strikt nachhaltigen Anlagelösungen.

Warum reagieren Rohstoffe so stark auf den Ukraine-Krieg?

Obwohl seit der russischen Invasion der Ukraine fast alle großen Anlageklassen stark in Mitleidenschaft gezogen worden sind, gibt es einen scheinbaren Gewinner: Rohstoffe. Schon in den letzten Monaten haben wir immer wieder über stark schwankende bzw. ansteigende Preise für etwa Energieträger gesprochen. Die Möglichkeit eines Rohstoff-Superzyklus haben wir bereits in unserem Marktkommentar vom März 2021 betrachtet. Bereits im Jahr 2020 war der Rohstoffmarkt im Zuge der Corona-Pandemie durch große Schwankungen geprägt. Einerseits brach die globale Nachfrage durch Lockdowns ein, andererseits gingen auch die Produktionsmengen zurück. In der Folge haben wir es teilweise noch immer mit Verzögerungen in den Lieferketten zu tun, was gleichzeitig auch ein Grund für die gestiegene Inflation ist.

Aktuell steigen die Preise von diversen Rohstoffen in bislang teils unbekannte Höhen. Der Grund hierfür ist klar: Sanktionen gegen den russischen Staat behindern internationale Handelsketten und sorgen so dafür, dass deutlich weniger Rohstoffe zu uns gelangen. Russland gehört, bedingt durch seine geographische Größe, zu den rohstoffreichsten Ländern der Erde. Der Anteil Russlands am Welthandel einiger Edelmetalle oder auch seltener Erden ist teils signifikant. Durch Sanktionen fällt nun ein großer Anteil des globalen Angebots weg. In der Folge sind die Preise für eine Vielzahl von Rohstoffen drastisch gestiegen. Auch die Ukraine, welche als Kornkammer Europas bezeichnet wird, gilt als besonders rohstoffreiches Land. Durch die Angst, dass sich der Krieg mit Russland über den Frühling hinaus ziehen könnte, sind die Preise für Agrarrohstoffe wie etwa Weizen stark gestiegen. In Summe wird sich die Kombination aus höheren Preisen und knappem Angebot von Rohstoffen auf Inflation und globale Lieferketten auswirken.

Quelle: Ginmon, Thomson Reuters; Stand 09.03.2021

Nachhaltige Anlagen verlieren stärker an Wert

Die Rohstoff-Rallye konnte in breit diversifizierten Portfolios, die auch Rohstoffe als Beimischung nutzen, den Kurssturz durch den Ukraine-Krieg teilweise abfedern. ESG-Investments konnten hiervon jedoch nicht profitieren. Denn nachhaltige Anlageprodukte werben meist damit, dass sie Firmen, die sich in Abbau, Verkauf oder Verbrauch fossiler Energieträger betätigen, ausschließen. Auch Rohstoffe selbst finden in nachhaltigen Portfolios oftmals keinen Platz. Der Grund ist hier der starke Eingriff in die Natur durch Bergbau und Bohrungen. Rüstungswerte, die angesichts des Krieges aktuell einen Aufschwung erleben, werden in ESG-Produkten typischerweise sogar als Erstes ausgeschlossen.

Die nachfolgende Grafik stellt die Performance verschiedener Indizes in ihrer konventionellen und einer besonders strikt gefilterten SRI-Version von Jahresbeginn bis zum 09. März dar. SRI steht hierbei für “Socially Responsible Investment” und stellt den derzeit striktesten Grundfilter für eine nachhaltige Geldanlage dar. Durch diesen strengen Filter werden sämtliche Unternehmen, welche als umweltschädlich, unethisch, o. ä. gelten, aus dem zugrundeliegenden Anlageuniversum ausgeschlossen. In der Folge reduziert sich u.a. die CO2-Intensität der Indizes um 60 % bis 70 %. Wer mit einem guten Gewissen nachhaltig anlegen möchte, für den sind streng gefilterte SRI-Indizes genau das Richtige. Im aktuellen Umfeld mit steigenden Rüstungsbudgets und Rohstoffpreisen ist dies aber die Achillesferse der nachhaltigen Geldanlage.

Quelle: Ginmon, MSCI; Stand 09.03.2021

Implikationen für die Zukunft

Steigende Rohstoffpreise sind jedoch nicht allein Produkt des Kriegs in der Ukraine. Diese Entwicklung startete vielmehr mit dem (langsamen) Ende der Corona-Krise 2020. Der Krieg hat dies lediglich weiter verstärkt. Sollte sich dies fortsetzen, wird die Inflation voraussichtlich hoch bleiben und nachhaltige Strategien werden weiterhin einen schweren Stand gegenüber ihre klassischen Pendants haben. Warum, das erkennt man gut anhand der folgenden Grafik, in der wir den Unterschied in den Sektorgewichtungen unserer eigenen Anlagestrategien darstellen.

Dabei ist apeironinvest unserer konventioneller und apeirongreen unser nachhaltiger Ansatz. Unsere nachhaltigen Portfolios basieren auf der Kombination von strikt-möglichsten Anlagefiltern und modernster Kapitalmarkttheorie, was in der Kombination zu den nachhaltigsten Portfolios am deutschen Markt führt. Zu erkennen ist eindeutig, dass unsere nachhaltigen Portfolios die Branchen Energie und Versorger fast komplett ausschließen. Konventionelle Unternehmen aus diesen beiden Branchen profitieren derzeit besonders von steigenden Rohstoffpreisen. Ein Ausschluss dieser Unternehmen sorgt im aktuellen Umfeld entsprechend für eine im Vergleich schwächere Entwicklung.

Quelle: Ginmon; Stand 09.03.2022

Das Thema Nachhaltigkeit ist dadurch natürlich nicht vom Tisch. Immer mehr Investoren beteiligen sich am Kampf gegen den Klimawandel, Armut, Korruption oder Diskriminierung. Auch sollte man sich nicht nur auf den Unterschied zwischen konventionellen und nachhaltigen Anlageprodukten beschränken. Vielmehr gilt in den aktuellen Zeiten mehr denn je das Grundprinzip der Diversifikation. Nur durch eine breite Streuung des Kapitals über verschiedene Anlageklassen und Regionen lässt sich auch in volatilen Phasen mit hinreichender Sicherheit investieren.

Derzeit zeigt sich besonders, wie wichtig dieses Prinzip ist. Wer in der jüngeren Vergangenheit etwa eine konzentrierte Wette auf den russischen Markt eingegangen ist, der wird aktuell massive Verluste eingefahren haben und wahrscheinlich auf diesen sitzen bleiben. Wer jedoch den russischen Markt im Rahmen eines globalen Portfolios mit einer sinnvollen Gewichtung, wie beispielsweise nach der realen Wirtschaftsleistung Russlands, abgebildet hat, der muss sich auch jetzt keine Sorgen um sein Geld machen. Denn der Anteil Russlands an der Weltwirtschaft wie an den globalen Kapitalmärkten ist im Grunde zu vernachlässigen.

Insgesamt spiegelt das derzeitige Marktumfeld die jüngsten geopolitischen Entwicklungen passend wider – vieles ändert sich und es herrscht Verwirrung. Aus dem Markt komplett auszusteigen ist keine Alternative, vielmehr gilt es in solchen Zeiten, Emotionen zu kontrollieren und an einem systematischen Ansatz festzuhalten. Nur so kann jeder Anleger für sich selbst sicherstellen, dass aus einer humanitären Katastrophe nicht auch noch der eigene finanzielle Totalschaden entsteht.

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