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Die größten Marktsorgen der letzten 10 Jahre

Wir leben in turbulenten Börsenzeiten. Noch nicht ganz von der letzten Krise erholt, verzeichnen die Märkte schon wieder rekordverdächtige Zuflüsse. Viele der großen Indizes befinden sich auf oder nahe ihren jemals gemessenen Höchstständen. Doch ist die Lage wirklich so rosig? Auch wenn es an den Börsen nach oben geht, gibt es unter den Marktteilnehmern zu jedem Zeitpunkt auch immer Ängste und Sorgen. Manchmal können solche Ängste sich in Einbrüchen, wie beispielsweise jüngst in der Corona-Pandemie, zeigen; manchmal bleiben Sorgen auch einfach nur Sorgen.

Der Global Fund Manager Survey
- dem größten Marktrisiko auf der Spur

Die Bank of America befragt zum Anfang jeden Monats hunderte Fondsmanager auf der ganzen Welt nach dem ihrer Meinung nach aktuell größten Risiko am Markt. Die Antworten darauf werden ausgewertet und im Global Fund Manager Survey veröffentlicht. In diesem Marktkommentar wollen wir uns mit der Entwicklung dieser Antworten seit September 2011 befassen und aufzeigen, weshalb man nicht immer vor allem Angst haben muss.

Quelle: Ginmon, Bofa Global Fund Manager Survey; Stand 06.05.21 

Die Auflistung stellt für jeden Monat seit September 2011 das sogenannte “biggest tail risk” dar und zeigt an, wie viele der befragten Fondsmanager dieses Ereignis gewählt haben. Der Begriff “Tail-Risk” bedeutet in etwa “Rand-Risiko”, stammt aus der Statistik und bezeichnet Events, welche zwar sehr unwahrscheinlich sind, mit ihrem Eintreffen aber für herbe Verluste sorgen würden.

Auf der dargestellten Abbildung sind neben dem monatlich größten Risiko auch Überkategorien gegeben, denn oftmals sind es einige wenige Themen, welche über Monate oder gar Jahre hinweg die Ängste der Investoren dominieren. Die meisten dieser Themenblöcke dürften gemeinweg bekannt sein: Eurokrise, aufkommender Populismus, Handelskonflikt oder auch jüngst die Corona-Pandemie. Es gibt aber auch Ängste an den Märkten, welche weniger Einfluss auf das Leben der Menschen hatten, denn manche Sorgen sind greifbarer als andere.

Ein Extrembeispiel zeigt diesen Unterschied: während die Corona-Pandemie Millionen Todesopfer gefordert und die Menschheit über Monate hinweg in den Lockdown gezwungen hat, scheint beispielsweise der Brexit, welcher in der Mitte des Jahres 2016 tatsächlich die größte Sorge an den Märkten war, kaum einen Einfluss auf die meisten Menschen gehabt  zu haben.

Auch bedeutet die Größe des jeweiligen Balkens eines Monats nicht, dass das jeweilige Ereignis besonders bedrohlich ist oder war. Vielmehr kann es auch bedeuten, dass es zu diesem Zeitpunkt einfach kaum andere Bedrohungen gab und sich die befragten Personen daher recht einig waren.

Wie reagieren die Märkte auf diese Ängste?

Es gibt also zu jedem Zeitpunkt irgendwo auf der Welt ein mehr oder weniger abstraktes Risiko, welches unter den passenden Umständen für ein mehr oder minder großes Beben an den Finanzmärkten sorgen kann. Man könnte auch sagen: Wer lange genug sucht, der wird immer irgendein Problem finden, welches womöglich groß genug werden kann, um die nächste Krise auszulösen. Den Markt selbst interessiert das aber vergleichsweise wenig.

Es gilt zwei Dinge zu beachten: nur weil Investoren Angst vor einem Szenario haben, tritt dieses dadurch nicht automatisch ein. Und zweitens: Selbst wenn eine Angst real wird und eintritt, dann muss der Effekt nicht verheerend sein und das Ende des globalen Finanzsystems bedeuten.

Die nachfolgende Grafik veranschaulicht das ganz gut. Sie misst die Entwicklung des MSCI World, also eines global gestreuten Index, über den Zeitraum in dem eine jeweilige Überkategorie einer Angst die größte Marktsorge der Investoren war.

Hierbei lassen sich mehrere interessante Beobachtungen machen. Der Großteil der vergangenen großen Ängste scheint die Märkte nicht beeinflusst zu haben – sogar im Gegenteil, denn in den meisten Fällen sind sie über den Betrachtungszeitraum hinweg stark gestiegen.

Auch fällt auf, dass sich der betrachtete Index in dem Zeitraum, in dem die US-Präsidentschaftswahl 2020 als größtes Sorgenkind des Marktes galt, mit einem Verlust von fast 50 % so gut wie halbiert hat. Das lag aber nicht an irgendwelchen Ereignissen, welche mit der Wahl zu tun hatten.

Das Problem heißt in diesem Fall Corona-Pandemie und war zu diesem Zeitpunkt den meisten Anlegern völlig unbekannt. Warum also um irgendwelche potenziellen Ereignisse sorgen machen, wenn es dann am Ende die unvorhersehbaren Dinge sind, die die Finanzmärkte durcheinander bringen?

Quelle: Ginmon, MSCI Inc.; Stand 06.05.2021 

Trotz aller Unsicherheit investiert bleiben?

Die Antwort auf diese Frage ist eindeutig: Ja! Diese Aussage ist auch nicht nur für die betrachteten vergangenen 10 Jahre gültig, sondern sollte vielmehr als universell angesehen werden. Wenn man lange genug sucht, wird man immer ein Thema oder Ereignis finden, welches ein potenzielles Risiko für die Märkte darstellt. Es kann immer wieder zu Korrekturen und Kursrücksetzern kommen, das gehört ganz einfach zu einer natürlichen Entwicklung dazu. Wirtschaftswachstum ist kein linearer Prozess.

Seitdem es Börsen gibt, hat sich gezeigt, dass egal wie drastisch ein Rücksetzer an der Börse ist, es auch immer eine entsprechende Erholung gibt. Die Corona-Pandemie ist das jüngste Beispiel dafür.

Wer im März 2020 seine Wertpapiere verkauft hat, weil er dachte die Welt würde enden, der muss nun feststellen, dass die Märkte sich längst erholt haben und neue Höchststände feiern. Wer investiert geblieben ist, dessen Geldanlage hat den Corona-Schock binnen weniger Monate verdaut und sich seither sogar stark entwickelt.

Eine Krise an den Finanzmärkten sollte keinem Anleger schlaflose Nächte bereiten. Tiefrote Zahlen und dramatische Finanznachrichten können in vielen Fällen eher eine günstige Kaufgelegenheit darstellen als das man mit weiteren Verkäufen auf sie reagieren sollte.

Wir empfehlen jedem Anleger, Emotionen aus dem Spiel zu lassen. Nur wer rational denkt und sich nicht durch Versuchungen, Ängste oder ähnliches leiten lässt, der kann langfristig erfolgreich investieren. Emotionen waren noch nie ein verlässlicher Indikator für zukünftige Entwicklungen.

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