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Die Angst vor der Inflation- wie sichere ich mich ab?

Das Thema “Inflation” prägt aktuell die Nachrichten. Entscheidungen der US-Notenbank hier, neue Leitlinien der EZB da. Aber worum geht es hierbei eigentlich und wie betrifft das den privaten Anleger?
Die  Angst vor der Inflation- wie sichere ich mich ab?

Stehen wir vor einer Inflationswelle ?

Die Europäische Zentralbank hat ihr angestrebtes Inflationsziel von “unter 2 Prozent” das erste Mal seit nun fast 20 Jahren geändert. Das neue Ziel ist eine Inflation von “etwa 2 Prozent” und bietet den Währungshütern dadurch mehr Spielraum. Die Inflationszieländerung soll laut Aussage der EZB dazu dienen, die Preislage auf mittlere Sicht stabil halten zu können. Die implizite Nachricht dahinter: auch höhere Inflationsraten über 2 % werden kurzfristig toleriert.

In den USA sind Inflationsraten jenseits der 2 % bereits Realität. Im Mai 2021 stiegen die Verbraucherpreise um über 5% im Vergleich zum Vorjahr. Angesichts solcher Teuerungsraten werden teilweise schon Parallelen zur Stagflation der 1970er und ‘80er Jahre gezogen, in denen die USA Inflationsraten von teilweise über 10 % jährlich verzeichneten. Stehen wir nun vor einer neuen Inflationswelle?

Um diese Frage zu beantworten, lohnt es sich, die aktuellen Inflationszahlen genauer unter die Lupe zu nehmen. 

 

Betrachtet man ausschließlich die Kerninflation, schließt man also Energie- und Lebensmittelkomponenten aufgrund ihrer Schwankungsanfälligkeit aus, erkennt man im Monat Mai lediglich eine Preissteigerung von 3,8 % zum Vorjahr. Insbesondere der Preis für Öl ist aufgrund der unerwartet starken Erholung der Weltwirtschaft stark angestiegen und hilft so zumindest teilweise, den sprunghaften Anstieg der Teuerungsrate zu erklären. Auch der Basiseffekt sollte nicht außer Acht gelassen werden.

Zu Beginn letzten Jahres wurden global viele Unternehmen schlagartig durch den Ausbruch der Pandemie lahmgelegt, wodurch man es im letzten Jahr mit einer ungewöhnlich niedrigen Inflationsrate zu tun hatte. Nun ist die Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen in den letzten Monaten stark gestiegen. Doch der Infektionsschutz zwang Fabriken, die Schichten der Arbeiter zu staffeln und verlangsamte den Prozess des Hochfahrens. Hinzu kommen Nachholeffekte.

Aufgrund der wirtschaftlichen Unsicherheit wurden große Anschaffungen wie der eines neuen Autos im letzten Jahr zurückgestellt und nun nachgeholt. All dies bekräftigt die Aussage der Notenbanken, dass man es momentan lediglich mit vorübergehenden Preisanstiegen zu tun habe.

Inflation vs Markt
Quelle: Ginmon, OECD, Federal Reserve Bank of St. Louis, Stand: 15.07.2021

Auch der Markt scheint momentan von der vorübergehenden Natur der Preiserhöhungen überzeugt zu sein. Die 5-jährige Breakeven-Inflationsrate stellt die vom Markt erwartete Inflation in den nächsten 5 Jahren dar. Sie ergibt sich als Differenz der Rendite einer 5-jährigen US-Staatsanleihe und der Rendite einer inflationsgeschützten US-Staatsanleihe mit ebenfalls 5 Jahren Restlaufzeit. Der US-Notenbankchef bekräftigte Ende Juni vor dem US-Kongress, die Zinsen nicht präventiv aufgrund steigender Verbraucherpreise erhöhen zu wollen. Aufgrund der Vielzahl an entschärfenden Worte seitens der Notenbank erkennt man gegen Ende des Quartals ein deutliches Abflachen der 5-jährigen Breakeven-Inflationsrate, nachdem diese seit März 2020 konstant gestiegen war. Ob die Teuerungsraten allerdings tatsächlich nur vorübergehender Natur sind und wann und in welchem Ausmaß eine Straffung der Geldpolitik stattfindet, wird hauptsächlich von der zukünftigen Entwicklung der Wirtschaft, des Arbeitsmarkts und – ja – auch von der Pandemie beeinflusst.

Welche Möglichkeiten haben Anleger?

Eine geeignete Alternative, um die Auswirkung von Inflation abzumildern, bieten Immobilien und Rohstoffe. Beide Anlageklassen korrelieren positiv mit der Inflation. Steigt die Inflation, steigen auch die Preise von Immobilien und Rohstoffen. Bei Immobilien ergibt sich ein Inflationsschutz durch die Anpassung von Mietpreisen an die Inflation. Rohstoffe hingegen sind ein essenzieller Bestandteil industrieller Produktionsprozesse. Dadurch sind sie häufig sogar der Ausgangspunkt von Inflation, wie das aktuelle Jahr 2021 zeigt, in dem die Inflation maßgeblich vom Ölpreis getrieben wird und das Wort Rohstoff-Superzyklus die Runde macht.

Anleihen gelten normalerweise als der sicherere Teil des Portfolios eines Anlegers. Doch auch hier spielt Inflation eine wichtige Rolle. Der Grund dafür ist einfach: Wenn man eine Anleihe kauft, leiht man einem Unternehmen oder einem Land sein Geld im Austausch für eine versprochene feste Rendite, die zum Teil auf Inflationserwartungen beruht. Wenn diese Erwartungen übertroffen werden – mit anderen Worten, wenn die Inflation stärker ansteigt als erwartet – wird die vereinbarte Rendite weniger attraktiv. Ein Beispiel: Wenn ein Anleger sein Geld für 2 % Zinsen pro Jahr verleiht, die Inflation aber 3 % beträgt, bedeutet dies einen realen Verlust von 1 % pro Jahr. Diesen Effekt kann man dadurch abmildern, wenn man vor allem kurz laufende Anleihen im Depot hat. Je früher die Anleihe ausläuft, desto schneller kann man auf gestiegene Inflationserwartungen reagieren.

Bei Aktien ist der Inflationsschutz nicht so stark ausgeprägt, wie oftmals vermutet wird. Wenn sich die Inflation in der Wirtschaft bemerkbar macht, haben Unternehmen zwar oft die Möglichkeit, diese Kosten in Form von höheren Preisen an Kunden weiterzugeben. Jedoch sind die Preise von Waren und Dienstleistungen meist nicht so elastisch, dass sich höhere Einkaufspreise eins zu eins an den Endkunden weitergeben lassen. Auch statistisch sind diese Zusammenhänge erkennbar. In der folgenden Grafik wird die Korrelation von Aktien, Immobilien und Rohstoffen über den Zeitraum von Anfang 1972 bis Ende 2013 dargestellt.

Korrelationen

Quelle: Ginmon, Morningstar; Stand: 15.07.2021 

Alle drei betrachteten Anlageklassen haben eine positive Korrelation mit der Inflation. Steigt die Inflation um einen Prozentpunkt, steigen etwa die Preise von Rohstoffen um Durchschnitt um 0,35 %. Die Kombination aus allen drei Anlageklassen stellt eine solide Basis für steigende Inflationserwartungen dar. Im Anleihebereich empfehlen sich zudem kurz laufende Anleihen. Um der Inflation also gewappnet entgegentreten zu können, ist eine breite Diversifikation der Schlüssel zum Erfolg.

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