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Das Geschäftdes Jahres

Lieferengpässe, Inflation und Omikron - Fällt Weihnachten 2021 ins Wasser? Die Monate November und Dezember sind für den Einzelhandel von essentieller Bedeutung. In den letzten beiden Monaten des Jahres wird, je nach Branche, ein enormer Anteil des Umsatzes erwirtschaftet, doch durch Lieferengpässe und Inflation ist Ware nicht nur knapp sondern auch teurer. In diesem Marktkommentar betrachten wir die Schwierigkeiten des diesjährigen Weihnachtsgeschäfts einmal genauer.
Das Geschäftdes Jahres

Wie alle Jahre wieder steht Weihnachten plötzlich vor der Tür, ab November jeden Jahres herrscht im Einzelhandel deshalb besonders viel Betrieb. Die alljährliche Weihnachtssaison wird traditionell mit dem mittlerweile auch in Deutschland präsenten Black Friday eingeläutet. Ab diesem Tag herrscht sowohl in den Läden vor Ort als auch online Hochkonjunktur. Die Weihnachtssaison ist für den Einzelhandel essentiell. In den letzten beiden Monaten des Jahres wird, je nach Branche, ein enormer Anteil des Umsatzes erwirtschaftet. Insbesondere bei Händlern von etwa Spielwaren, Uhren oder auch Schmuck macht das Weihnachtsgeschäft in vielen Fällen über ein Viertel des kompletten Jahresumsatzes aus.

Omikron, Inflation und das Weihnachtsgeschäft

Doch dieses Jahr ist die Stimmung etwas getrübt – die neue Mutation Omikron des Corona-Virus sowie stark steigende Infektionszahlen in Deutschland haben im November für einen eher verhaltenen Start in die so wichtigen Wintermonate gesorgt. Doch damit noch nicht genug, leidet die Wirtschaft zusätzlich unter einer ungeahnt hohen Inflation sowie Problemen in den globalen Lieferketten. Fällt das Weihnachtsgeschäft dieses Jahr also ins Wasser? Nachfolgend betrachten wir einige wichtige Fakten für das Weihnachtsgeschäft im Einzelhandel und schauen uns die Rolle der Inflation und der Lieferketten einmal genauer an.

Quelle: Ginmon, Statistisches Bundesamt, Handelsbund Deutschland; Stand: 07.12.2021

Die vorherige Grafik stellt das Weihnachtsgeschäft, also den Umsatz im Einzelhandel in den Monaten November und Dezember, für Deutschland dar. Anhand der Daten der vergangenen 16 Jahren erkennt man eines sofort: das Geschäft mit Weihnachten wächst. Besonders seit 2015 konnte ein enormes Umsatzwachstum erreicht werden. Sogar im Winter 2020, dem damaligen Höhepunkt der Corona-Pandemie, blieben die Konsumenten in Kauflaune und bescherten dem deutschen Einzelhandel einen damals neuen Höchststand. Für 2021 wird ein erneuter Rekord erwartet – auch wieder trotz globaler Pandemie. Eine Erklärung dafür ist, dass die Zahlen sowohl Umsätze aus dem Ladengeschäft sowie aus der digitalen Präsenz darstellen. Die Corona-Pandemie gilt als Katalysator für die digitale Transformation vieler Branchen, auch im Einzelhandel ist der Anteil an digitalen Käufen nochmals sprunghaft angestiegen. Wer sich für die Weihnachtseinkäufe nicht ins Getümmel stürzen möchte, macht das alternativ bequem vom heimischen Sofa. 

Das verschenkt Deutschland

Die meisten dürften es kennen, kurz vor den Feiertagen noch schnell in den Laden gehüpft oder online schnell die letzten Geschenke besorgt. Durchschnittlich ist die dritte Dezemberwoche, also kurz vor Schluss, die umsatzstärkste Woche im gesamten Jahr. Wer auch dieses Jahr auf so ein knappes Zeitfenster setzt, der könnte womöglich enttäuscht werden. Globale Lieferengpässe machen der Weltwirtschaft bereits seit Monaten immer wieder einen Strich durch die Rechnung. Wer auf der sicheren Seite sein möchte, der sollte sich dieses Jahr etwas früher um die notwendigen Besorgungen kümmern. Wer noch nicht weiß, was und wie viel er verschenken soll, findet im Folgenden vielleicht etwas Inspiration.

Quelle: Ginmon, Statista; Stand: 07.12.2021

Seit 2011 ist das Budget, welches die Deutschen für ihre Weihnachtsgeschenke einplanen, rasant angestiegen. Sogar im Jahr 2020 erreichten die geplanten Ausgaben für Weihnachtsgeschenke einen neuen Höchststand. Die Vorhersagen für dieses Jahr zeigen auf eine vergleichbare Entwicklung und lassen viele Händler hoffen. Weder Covid-19, Inflation oder Lieferengpässe können die Schenklaune der Deutschen brechen.

Quelle: Ginmon, Handelsbund Deutschland, YouGov; Stand: 07.12.2021

Die unangefochtene Nummer 1 der Geschenke sind übrigens mit etwa 32 % der Nennungen Geschenkgutscheine – und das bereits seit Jahren. Ein vielleicht überraschendes Ergebnis ist, dass elektronische Geräte vergleichsweise wenige Nennungen erhalten haben. Vielleicht gehört neben dem großen Geschäft des Jahres ja doch noch eine individuelle Komponente zu Weihnachten. Aber wie kommt die ganze Ware eigentlich zu uns nach Deutschland?

Das Problem mit den Lieferketten

Deutsche Importe hatten im Jahr 2020 einen Wert von über 1 Billionen Euro, welche teils von den ca. 7.000 jährlich hier anlegenden Schiffen eingeführt wurden. Durch den globalen Ausbruch der Corona-Pandemie kam nicht nur das private Leben zum Erliegen, auch Fabriken mussten vorübergehend geschlossen werden. Die Folgen davon spüren wir auch Ende 2021 noch. Überall auf der Welt fehlen die für die Produktion benötigten Rohstoffe und Zwischenerzeugnisse. Durch das stark gesunkene Angebot schossen die Preise für die verbliebenen Güter – und damit die Inflation – in die Höhe. Als Folge von unter anderem Kontaktbeschränkungen sind auch Frachtkosten enorm angestiegen. Waren es Mitte 2020 die Frachtkosten von Flugzeugen, zogen Ende 2020 die Frachtkosten für Schiffscontainer enorm an. Dieser Trend verschlimmerte sich in 2021 weiter. Besonders die Preise für Luftfracht sind in den vergangenen Wochen und Monaten nochmals stark angestiegen. Grund hierfür ist, dass sich Produzenten die pünktliche Lieferung von Gütern für das so wichtige Weihnachtsgeschäft um fast jeden Preis sichern wollen. Die nachfolgende Grafik stellt die Frachtkosten von sowohl Schiffscontainern als auch per Flugzeug von China nach Mitteleuropa dar. Die enorm gestiegenen Transportkosten sind auch einer der Gründe, weshalb wir in Europa derzeit eine erhöhte Inflation spüren, denn Produzenten und Händler versuchen die für sie gestiegenen Preise an die Endkunden weiterzugeben.

Quelle: Ginmon, Refinitiv Eikon, Drewry World Container Index, TAC Index; Stand: 31.10.2021

Trotz aller Schwierigkeiten mit Omikron, Inflation oder auch hohen Frachtkosten wird Weihnachten 2021 jedoch nicht ins Wasser fallen. Temporär mag sowohl im Einzelhandel als auch am Kapitalmarkt Spannung durch all diese Themen zu spüren sein, diese wird aber nicht bestehen bleiben. Erste Studien weisen auf die Effektivität von Schutzimpfungen gegen Omikron hin, die Inflation wird mit der Lösung von Knoten in den globalen Lieferketten abnehmen und zumindest die maritimen Frachtkosten beginnen bereits wieder zu sinken. So ist zum Beispiel der Baltic Dry Index, der globale Frachtraten für das Verschiffen von “trockenen” Rohstoffen wie Eisenerz oder Kohle misst, seit Anfang Oktober um 40% gesunken. Und auch die Situation in den Häfen entspannt sich langsam. So ist die Anzahl der Import-Container, die im größten Hafen der USA in Los Angeles liegen, seit Sommer um ein Viertel gefallen, was den globalen Lieferketten wieder etwas Luft verschaffen sollte. Dies alles unterstützt die These vielen Notenbanker, dass die aktuell erhöhte Inflation lediglich vorübergehend sein sollte. Sie können die Feiertage daher also ganz unbeschwert genießen. Falls Sie übrigens interessiert, wie es mit den Börsen im neuen Jahr weitergeht: wir haben in der Vergangenheit auch schon den Januar-Effekt untersucht.

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Maximilian Wagner, Vermögensberater