Quartalsbericht Q2/2026

Waffenstillstand, Ölpreis-Entspannung und die Zinswende der Notenbanken


Dieser Quartalsbericht bezieht sich auf den Stand zum 30. Juni 2026. Es werden die Entwicklungen und Herausforderungen im zweiten Quartal dieses Jahres analysiert und zum Schluss ein Ausblick auf die sich verändernden Marktbedingungen ab Juli 2026 gegeben. Insbesondere werden die Auswirkungen politischer und wirtschaftlicher Veränderungen sowie geldpolitische Entscheidungen beleuchtet.

Das zweite Quartal 2026 stand zunächst ganz im Schatten des Ende Februar ausgebrochenen Irankriegs und des darauffolgenden Ölpreisschocks. Im Laufe des Quartals kehrte sich das Bild jedoch deutlich. Ein Waffenstillstand zwischen den USA und dem Iran Anfang April und ein Rahmenabkommen Mitte Juni führten den Ölpreis zurück auf das Vorkriegsniveau und lösten an den Aktienmärkten eine kräftige Erholung aus. Die globalen Leitindizes machten ihre Verluste aus dem ersten Quartal wett und erreichten in Teilen neue Allzeithochs.

Der Preis dieser Entspannung ist allerdings eine veränderte geldpolitische Realität. Der vorangegangene Energieschock hat die Inflation auf den höchsten Stand seit drei Jahren getrieben. In der Folge beendeten beide großen Notenbanken die Erwartung sinkender Zinsen. Die EZB hob ihren Leitzins im Juni erstmals seit September 2023 wieder an, die US-Notenbank Federal Reserve hielt ihren Kurs unter ihrem neuen Vorsitzenden Kevin Warsh betont restriktiv. Anleger sahen sich damit im zweiten Quartal mit einer Erholung an den Märkten bei gleichzeitig steigenden Zinsrisiken konfrontiert.

Unsere Ginmon-Anlagestrategien profitierten von dieser Erholung in vollem Umfang. Global 10 erzielte im zweiten Quartal ein Plus von +18,7 %, Green 10 legte um +17,0 % zu. Beide Strategien schnitten damit besser ab als die großen Vergleichsindizes. Die Allokation aus dem Strategie-Update 2026 bestätigte im zweiten Praxisquartal ihre Ausrichtung auf globale Diversifikation sowie die Faktoren Value und Size.

In diesem Quartalsbericht geht es um die folgenden drei Themen:


Performance:

Im Erholungsquartal erzielte Global 10 ein Plus von +18,7 %, Green 10 legte um +17,0 % zu. Beide Strategien lagen damit vor DAX (+9,8 %), MSCI ACWI (+14,2 %) und S&P 500 (+16,2 %). Global 10 erreicht seit Auflage 2016 eine Gesamtrendite von +183 %, ein neues Allzeithoch.


Inflation und Zinspolitik:

Die Inflation in der Eurozone stieg im Mai auf 3,2 %, in den USA auf 4,2 % und damit auf den höchsten Stand seit 2023. Erstmals seit September 2023 hob die EZB ihren Leitzins wieder an (Einlagensatz nun 2,25 %), die Fed hielt ihren Korridor bei 3,50–3,75 %. Zinssenkungen sind angesichts des Energieschocks vorerst vom Tisch, an den Märkten rückt eher eine weitere Anhebung in den Blick.


Globale Impulse:

Waffenstillstand und Rahmenabkommen zwischen den USA und dem Iran beendeten den akuten Ölpreisschock, Brent fiel von über 100 USD zurück auf das Vorkriegsniveau um 74 USD. Die globalen Aktienmärkte erholten sich kräftig, angeführt von einer breiten Rotation weg von teuren Wachstumswerten (Growth) hin zu Substanzwerten (Value) und Nebenwerten (Size).


Wie haben sich unsere Strategien entwickelt?

Unsere Anlagestrategien blickten auf ein starkes zweites Quartal zurück. Nach den Verlusten infolge des Kriegsausbruchs im Februar erholten sich die Märkte im Quartalsverlauf deutlich, und unsere Strategien vollzogen diese Erholung in vollem Umfang nach.

Global 10 erzielte im zweiten Quartal ein Plus von +18,7 %, Green 10 legte um +17,0 % zu. Zum Vergleich: Der DAX gewann im selben Zeitraum +9,8 %, der MSCI ACWI +14,2 % und der S&P 500 +16,2 %. Beide Strategien lagen damit vor allen drei Vergleichsindizes. Die Grafik zeigt die Quartalsrenditen im direkten Vergleich



Eine konsequente Anlagestrategie aus globaler Diversifikation, einem klaren Fokus auf die Faktoren Value und Size sowie der optimierten Portfoliostruktur aus dem Strategie-Update 2026 bleibt der Kern unseres Ansatzes. Gerade in Zeiten, in denen einzelne Märkte, Sektoren oder Regionen stark schwanken, zeigt sich die Stärke eines regelbasierten, langfristig ausgerichteten Portfolios.


Global 10 hat seit Auflage im Jahr 2016 eine Gesamtrendite von +183 % erzielt und markiert damit ein neues Allzeithoch. Die Grafik zeigt die Wertentwicklung seit Auflage: Auf den Rücksetzer im ersten Quartal folgte im zweiten Quartal die Erholung auf einen neuen Höchststand.



Kurzfristige Marktschwankungen, sei es die Corona-Krise 2020, die Zinswende 2022 oder der Irankrieg 2026, haben den langfristigen Aufwärtstrend nie dauerhaft unterbrochen. Wer diszipliniert investiert bleibt, hat historisch gesehen beste Voraussetzungen, langfristig belohnt zu werden. Das zweite Quartal 2026 mit seiner schnellen Erholung von den Kriegstiefständen hat dieses Grundprinzip einmal mehr bestätigt.


Wie geht es mit Inflation und Zinsen weiter?

Die Inflationsentwicklung des ersten Quartals setzte sich im zweiten Quartal mit voller Wucht fort. Der Ölpreisschock arbeitete sich Schritt für Schritt durch die Verbraucherpreise. In der Eurozone stieg die Teuerungsrate von 3,0 % im April auf 3,2 % im Mai, den höchsten Stand seit 2023. Auch die Kerninflation, die Energie, Lebensmittel, Alkohol und Tabak ausklammert, zog von 2,2 % im April auf 2,6 % im Mai an, ein Zeichen dafür, dass sich der Preisdruck nicht mehr allein auf Energie beschränkt.

In den USA fiel der Anstieg noch deutlicher aus. Die Verbraucherpreise stiegen von 3,8 % im April auf 4,2 % im Mai und erreichten damit den höchsten Wert seit April 2023. Der Großteil des Anstiegs entfiel auf Energie, deren Preise im Jahresvergleich um über 23 % zulegten. Die Kernrate blieb mit 2,9 % vergleichsweise stabil, was darauf hindeutet, dass die Inflation überwiegend angebotsseitig durch den Energieschock getrieben war. Mit dem Rückgang der Ölpreise gegen Quartalsende mehrten sich die Anzeichen, dass die Inflation ihren Höhepunkt erreicht haben könnte.

Die Grafik zeigt den Verlauf der Inflation in der Eurozone und den USA seit 2019 einschließlich der Projektion bis 2027.



EZB: Erste Zinsanhebung seit 2023

Die EZB vollzog im zweiten Quartal eine geldpolitische Trendwende. Nachdem sie ihren Leitzins im April noch unverändert gelassen hatte, hob sie ihn auf der Juni-Sitzung um 25 Basispunkte an. Der Einlagensatz stieg damit von 2,0 % auf 2,25 %. Es war die erste Zinsanhebung seit September 2023 und eine klare Umkehr des Lockerungszyklus, der die Politik der EZB zuvor geprägt hatte.


Zur Begründung verwies die EZB auf die vom Krieg ausgehenden Inflationsrisiken. In ihren neuen Projektionen hob sie die erwartete Inflation für 2026 auf 3,0 % an (zuvor 2,6 %) und senkte zugleich die Wachstumsprognose auf 0,8 %. EZB-Präsidentin Christine Lagarde, die im Februar noch eine zuversichtliche Einschätzung der Preislage signalisiert hatte, warnte nun vor Zweitrundeneffekten durch steigende Energiepreise. An den Märkten wird die Zinserhöhung überwiegend als Auftakt einer neuen Straffungsphase gelesen, eine weitere Erhöhung etwa im September könnte folgen.



Die Grafik zeigt den Verlauf des EZB-Einlagensatzes seit 2021: Dem Anstieg auf den Höchststand von 4,0 % im Jahr 2023 folgten schrittweise Senkungen bis auf 2,0 %. Mit der Anhebung auf 2,25 % im Juni ist dieser Senkungszyklus beendet. Die gepunktete Linie zeigt die Projektion mit einer möglichen weiteren Anhebung auf 2,50 % bis Ende 2026.


Fed: Leitzins bei 3,50–3,75 %, restriktive Wende unter neuer Führung

Die US-Notenbank hielt ihren Leitzins im zweiten Quartal auf beiden Sitzungen unverändert im Korridor von 3,50–3,75 %. Im Mittelpunkt stand der Führungswechsel an ihrer Spitze: Kevin Warsh wurde am 22. Mai als neuer Vorsitzender vereidigt und löste damit Jerome Powell ab. Seine erste Sitzung Mitte Juni fiel restriktiver aus als erwartet. Die aktualisierten Projektionen verschoben sich von erwarteten Zinssenkungen hin zu einer leichten Straffung bis Jahresende, neun von achtzehn Mitgliedern stellten mindestens eine Anhebung in Aussicht, nur eines eine Senkung.

Entsprechend preisten die Märkte den nächsten Schritt zunehmend als Zinsanhebung ein. Zum Quartalsende lag die erwartete Wahrscheinlichkeit einer Anhebung im Dezember bei rund 80 %. Zinssenkungen im Jahr 2026 gelten inzwischen als unwahrscheinlich.


Was bewegt die Märkte?


Aktienmärkte

Das zweite Quartal war an den Aktienmärkten ein Erholungsquartal und damit weitgehend das Spiegelbild des ersten. Mit dem Waffenstillstand Anfang April kehrte schrittweise Zuversicht zurück, die großen Indizes arbeiteten sich von ihren Kriegstiefständen nach oben. Der MSCI ACWI erreichte Anfang Juni ein neues Allzeithoch, getragen von robusten Unternehmensgewinnen. Analysten hoben ihre Gewinnschätzungen für 2026 trotz des Kriegs über alle großen Regionen hinweg an.

Prägend war eine breite Rotation innerhalb des Marktes. Investoren schichteten aus teuren Wachstumswerten (Growth) in günstig bewertete Substanzwerte (Value) und Nebenwerte (Size) um, eine Bewegung, die unter dem Schlagwort "Große Rotation" diskutiert wird. Der Softwaresektor blieb dagegen unter Druck. Die Sorge, dass autonome KI-Agenten klassische Abo-Geschäftsmodelle entwerten, ließ US-Softwarewerte weiter fallen, seit Jahresbeginn summieren sich die Verluste des Sektors auf rund zwei Billionen US-Dollar. Microsoft notierte im Jahresverlauf zeitweise rund 25 % im Minus, die Bewertung des Softwaresektors fiel erstmals unter die des Gesamtmarkts.

Gegen Quartalsende kam es zu einem auffälligen Stimmungsumschwung. Nach einer zwischenzeitlichen Erholung der KI- und Halbleiterwerte setzte in der letzten Juniwoche ein kräftiger Rücksetzer bei Technologie- und Chipaktien ein, den Marktteilnehmer als Neujustierung zu hoch gesteckter Gewinnerwartungen werteten. Der breite Markt zeigte sich davon weitgehend unbeeindruckt, der Dow Jones erreichte angeführt von Industrie-, Gesundheits- und Finanzwerten neue Rekordstände. In Deutschland belastete zusätzlich ein Einbruch der Rüstungsaktien: Rheinmetall verlor an einem einzigen Handelstag fast 19 %, nachdem Berichte über die Streichung eines Marineprojekts aufgekommen waren. Japan zeigte sich erneut widerstandsfähig, gestützt von staatlichen Impulsen und einem schwachen Yen, während China unter seiner anhaltenden Immobilienkrise litt.


Anleihen und Währungen

Die Rentenmärkte standen im Zeichen steigender Zinserwartungen. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen kletterte im Quartalsverlauf bis auf etwa 4,55 %, gab gegen Ende Juni jedoch mit den fallenden Ölpreisen und einem Rückzug in sichere Anlagen während des Tech-Ausverkaufs wieder auf rund 4,4 % nach. Die zweijährige Rendite erreichte mit über 4,1 % den höchsten Stand seit Anfang 2025. Höhere Renditen und die restriktivere Notenbankhaltung belasteten die Anleihekurse über weite Strecken des Quartals.

Der US-Dollar setzte seine Stärke fort und stieg gegenüber den anderen wichtigen Währungen auf den höchsten Stand seit mehr als einem Jahr, gestützt von der relativen Energieunabhängigkeit der USA und der Aussicht auf höhere Zinsen. Der Euro gab gegenüber dem Dollar weiter leicht nach. Gold geriet im Quartal spürbar unter Druck: Nach einer zwischenzeitlichen Erholung auf knapp 4.900 USD Mitte April fiel der Preis bis Ende Juni auf rund 4.000 USD und damit auf ein Acht-Monats-Tief. Ausschlaggebend waren die steigenden Realzinsen, die das zinslose Edelmetall weniger attraktiv machten.


Rohstoffpreise

Der bestimmende Rohstofftrend des Quartals war die Entspannung am Energiemarkt. Brent-Rohöl, das im ersten Quartal infolge der Blockade der Straße von Hormus auf über 100 USD und in der Spitze in Richtung 125 USD geschossen war, fiel mit der Deeskalation deutlich zurück. Der Waffenstillstand Anfang April, die schrittweise Wiedereröffnung der Meerenge und das Rahmenabkommen Mitte Juni führten den Preis zurück auf das Vorkriegsniveau. Zum Quartalsende notierte Brent um 74 USD, nur noch wenige Prozent über dem Stand von vor Kriegsbeginn. Mit der Rückkehr der Förderung aus dem Persischen Golf rückte zunehmend ein möglicher globaler Angebotsüberschuss für 2026 in den Fokus.

Auch an anderen Rohstoffmärkten kehrte Beruhigung ein. Die zuvor stark gestiegenen europäischen Gaspreise gaben mit der nachlassenden Versorgungsangst nach. Industriemetalle zeigten ein gemischtes Bild. Insgesamt löste sich der ausgeprägte Preisdruck, der das erste Quartal geprägt hatte, im Laufe des zweiten Quartals weitgehend auf.



Die Grafik zeigt die Wertentwicklung von Öl, Gold und globalen Aktien im zweiten Quartal, auf Basis in Euro notierter ETFs. Globale Aktien (MSCI ACWI) legten bis zum Quartalsende um +14,2 % zu, während der verwendete Öl (Brent)-ETF (-13,6 %) und Gold (-14,3 %) deutlich nachgaben. Beim Gold belasteten steigende Realzinsen und Gewinnmitnahmen die Nachfrage.


Geopolitische Unsicherheiten

Das beherrschende geopolitische Thema des Quartals war der Übergang vom Krieg zur fragilen Diplomatie. Nach mehr als fünf Wochen Kampfhandlungen einigten sich die USA und der Iran am 7. und 8. April auf einen Waffenstillstand, der auch Israel einschloss. In den Wochen danach verlagerte sich der Konflikt auf ein Tauziehen um den Zugang zur Straße von Hormus, begleitet von einer US-Blockade iranischer Häfen. Mitte Juni verkündeten Vermittler ein “Memorandum of Understanding”, das am 17. Juni von den Präsidenten beider Länder unterzeichnet wurde und den Konflikt binnen 60 Tagen formell beenden soll. Die Lage blieb jedoch angespannt, Iran erklärte die Meerenge zwischenzeitlich erneut für geschlossen, der Schiffsverkehr nahm gleichwohl spürbar zu.

Auch die US-Handelspolitik blieb ein Unsicherheitsfaktor. Die im Februar nach dem Aus der US-Krisenzölle (IEEPA) eingeführten pauschalen Importzölle auf Basis von Sektion 122 des US-Handelsgesetzes (Trade Act von 1974) wurden Anfang Mai von einem US-Handelsgericht selbst gekippt. Im Berufungsverfahren bleiben sie zunächst in Kraft, laufen aber ohnehin am 24. Juli 2026 aus. Die Regierung bereitet als Ersatz bereits neue Maßnahmen auf Grundlage von Sektion 301 vor. Für global aufgestellte Unternehmen bedeutet dies anhaltende regulatorische Unsicherheit. Der Ukraine-Krieg setzte sich unterdessen unvermindert fort.


Faktoren Value und Size

Das Marktumfeld des Jahres 2026 spielte den wissenschaftlich fundierten Renditetreibern Value und Size in die Hände. Der Value-Faktor profitierte unmittelbar vom Umschwung im Technologiesektor: Während teure Wachstumswerte, allen voran US-Software, massiv unter Druck gerieten, gewannen substanzstarke, günstig bewertete Unternehmen an relativer Attraktivität. Über das Jahr betrachtet schlug Substanz Wachstum bei den Standardwerten deutlich.

Auch der Size-Faktor lieferte einen positiven Beitrag. Im Zuge der "Großen Rotation" verschoben Anleger Kapital aus wenigen dominanten Mega-Caps in günstiger bewertete Nebenwerte. Die Kombination aus Value und Size erwies sich als besonders wirksam: Profitable Substanz-Nebenwerte zählten zu den stärksten Segmenten des Jahres und übertrafen große Wachstumswerte seit Jahresbeginn um einen zweistelligen Prozentsatz. Europäische Nebenwerte blieben dabei aufgrund der höheren Energiekostenbelastung etwas zurück.



Die Grafik zeigt die Wertentwicklung dreier globaler Style-Indizes im ersten Halbjahr, indexiert auf 100 zum Jahresbeginn. Der MSCI World Value legte bis Ende Juni um +35,2 % zu, der MSCI World Small Cap um +18,6 %, der breite MSCI World um +11,9 %. Beide Faktoren, Value und Size, entwickelten sich damit besser als der Gesamtmarkt. Die Schere öffnete sich vor allem ab April, als die Rotation aus Wachstumswerten an Breite gewann.


Unsere Anlagestrategien setzen bewusst auf beide evidenzbasierten Faktoren, Value und Size, da sie sich über lange Zeiträume hinweg als robust und renditesteigernd erwiesen haben. Im aktuellen Umfeld zeigt sich insbesondere die Value-Komponente als stabilisierendes Element in unseren Portfolios.


Neu an der Fed-Spitze: Kevin Warsh

Eine der folgenreichsten Entwicklungen des zweiten Quartals betraf die Spitze der wichtigsten Notenbank der Welt. Am 22. Mai 2026 wurde Kevin Warsh als neuer Vorsitzender der US-Notenbank vereidigt und löste Jerome Powell ab. Seine Bestätigung im Senat fiel mit 54 zu 45 Stimmen so knapp und parteipolitisch aus wie selten zuvor in der modernen Geschichte der Fed.

Bemerkenswert ist Warshs wirtschaftspolitische Grundüberzeugung. Er vertritt die These, dass die rasche Verbreitung künstlicher Intelligenz einen kräftigen Produktivitätsschub auslöst, der es der Notenbank erlauben würde, die Zinsen zu senken, ohne neue Inflation anzufachen. In dieser Lesart wirkt KI mittelfristig disinflationär. Der Gedanke hat einen wahren Kern, denn höhere Produktivität dämpft den Preisdruck. Kurzfristig steht er allerdings in scharfem Kontrast zur Realität einer Inflation von über 4 %, die maßgeblich vom Energieschock getrieben ist.


Dieser Zielkonflikt prägte Warshs erste Sitzung. Trotz seiner grundsätzlichen Präferenz für niedrigere Zinsen hielt die Fed den Leitzins unverändert und schlug einen restriktiven Ton an, der die Märkte auf eine mögliche Anhebung noch in diesem Jahr einstimmte. Für Anleger bedeutet die neue Führung vor allem eines: zusätzliche Unsicherheit über den künftigen Zinspfad. Die Frage, ob sich die erhoffte KI-Produktivität tatsächlich rasch in messbar geringeren Inflationsdruck übersetzt, dürfte die Geldpolitik und damit die Märkte auf Jahre hinaus begleiten.


Blick nach vorn

Das dritte Quartal 2026 dürfte von der Frage geprägt sein, ob die Deeskalation Bestand hat und wie nachhaltig die Inflation zurückgeht. Mehrere Weichenstellungen sind entscheidend:


  • Iran-Abkommen und Energieversorgung: Die Umsetzung des 60-Tage-Fahrplans und die Lage an der Straße von Hormus bleiben der wichtigste Faktor für Energie- und Inflationserwartungen. Ein dauerhafter Frieden würde die Entspannung festigen, ein Rückfall in den Konflikt die Energiepreise erneut nach oben treiben.

  • Zinspfad der Notenbanken: Im Mittelpunkt steht, ob EZB und Fed im September oder Dezember nachlegen. An den Märkten gilt eine weitere Fed-Anhebung bis Jahresende inzwischen als wahrscheinlich, auch die EZB hält eine Anhebung im September offen.

  • Inflationsverlauf: Mit den gefallenen Ölpreisen mehren sich die Anzeichen, dass die Inflation ihren Höhepunkt überschritten hat. Entscheidend wird, ob sich der Rückgang fortsetzt oder ob Zweitrundeneffekte den Preisdruck verstetigen.

  • US-Handelspolitik: Das Auslaufen der Sektion-122-Zölle am 24. Juli und der mögliche Übergang zu neuen Zöllen auf Basis von Sektion 301 sorgen für anhaltende Unsicherheit bei global aufgestellten Unternehmen.

  • Technologiesektor und Rotation: Ob sich die Schwäche des Softwaresektors fortsetzt und die Rotation in Substanz- und Nebenwerte anhält, wird die Marktführerschaft im zweiten Halbjahr maßgeblich bestimmen. Zugleich bleibt zu beobachten, ob die hohen KI-Infrastrukturinvestitionen aufrechterhalten werden.


Für Anleger bedeutet dies: Das Umfeld bleibt volatil und von kurzfristigen Nachrichten geprägt. Die Kombination aus globaler Diversifikation, klaren Risikoregeln und einer wissenschaftlich fundierten Anlagestrategie bleibt ein wichtiger Schutz, wie das zweite Quartal 2026 einmal mehr gezeigt hat.


Fazit

Das zweite Quartal 2026 brachte eine spürbare Erholung mit sich. Waffenstillstand und Rahmenabkommen zwischen den USA und dem Iran führten den Ölpreis zurück auf das Vorkriegsniveau und ermöglichten an den Aktienmärkten eine kräftige Aufholbewegung, die in Teilen zu neuen Allzeithochs führte. Zugleich hinterließ der vorangegangene Energieschock eine Inflation auf dem höchsten Stand seit drei Jahren und zwang beide großen Notenbanken zu einer restriktiveren Haltung. Die EZB hob ihren Leitzins erstmals seit 2023 wieder an, die Fed läutete unter ihrem neuen Vorsitzenden Kevin Warsh keine Zinswende nach unten ein.

Unsere Strategien haben sich in diesem Umfeld gut entwickelt. Global 10 schloss das Quartal mit +18,7 % ab, Green 10 mit +17,0 %, beide vor den großen Vergleichsindizes. Global 10 erreichte damit seit Auflage 2016 eine Gesamtrendite von +183 %, ein neues Allzeithoch. Dieses Ergebnis beruht auf globaler Diversifikation, den Faktoren Value und Size und der Portfoliostruktur aus dem Strategie-Update 2026.


Zwei Grundprinzipien für Sie:

  • Investiert bleiben statt Timing versuchen: Das zweite Quartal hat gezeigt, wie schnell Märkte drehen können. Wer nach dem Kriegsausbruch im Februar verkauft hat, hat Verluste realisiert und die kräftige Erholung verpasst. Die stärksten Handelstage folgen häufig unmittelbar auf die schwächsten. Investiert zu bleiben ist deshalb langfristig verlässlicher als der Versuch, den richtigen Ein- und Ausstiegszeitpunkt zu treffen.


  • Reale Rendite im Blick behalten: Mit der Zinswende wirken Tages- und Festgeld auf den ersten Blick wieder attraktiver. Bei einer Inflation von über 3 % in der Eurozone verliert dort geparktes Guthaben jedoch real an Kaufkraft. Überschüssige Liquidität mittel- bis langfristig breit gestreut zu investieren bleibt ein wirksamer Weg, Vermögen real zu erhalten und aufzubauen.


Die Entwicklung im zweiten Quartal 2026 zeigt, dass sich Disziplin gerade in turbulenten Phasen auszahlt. Wer nach dem Kriegsausbruch investiert blieb, wurde mit einer der kräftigsten Erholungen der vergangenen Jahre belohnt. Ruhig bleiben und der eigenen Strategie vertrauen: Dieses Prinzip hat sich erneut bewährt.

Wenn Sie Ihre Anlagestrategie überprüfen oder zusätzliches Kapital investieren möchten, steht Ihnen unser Team jederzeit gerne zur Verfügung.


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