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Zehn Kriterien zur Portfolio-Analyse - Wie gut ist mein Wertpapierdepot?

Wie gut passt mein Depot und meine Anlagestrategie zu meinen Zielen? Diese zehn Kriterien sollten Sie bei der Portfolio Analyse beachten.
Zehn Kriterien zur Portfolio-Analyse - Wie gut ist mein Wertpapierdepot?

Um ein auf die individuelle Situation angepasstes Wertpapierportfolio zu erstellen und zu managen, muss man sich über die eigenen Ziele und Bedürfnisse im Klaren sein. Unterschiedliche Ziele erfordern auch unterschiedliche Vorgehensweisen. In diesem Artikel zeigen wir zehn Kriterien auf, anhand derer Sie die Qualität Ihres Portfolios analysieren können.

1. Passt Ihr Portfolio zu Ihrer Risikotoleranz?

Bereits 1952 erkannte Harry Markowitz den Zusammenhang von Risiko und Rendite an den Finanzmärkten. Möchten Sie eine höhere Rendite mit Ihrem Portfolio erzielen, erreichen Sie dies grundsätzlich nur als Belohnung für das Eingehen größerer Risiken. Historisch gelten Aktien als riskantere Anlageklasse als Anleihen. Eine höhere Aktienquote ermöglicht folglich höhere Renditen, führt allerdings auch zu höheren Schwankungen. Denkt man an das Risiko in seinem Portfolio, bringt eine Aufteilung der Geldanlage über Aktien, Anleihen, Immobilien und Rohstoffe viele Vorteile mit sich. Durch eine Kombination dieser Bausteine kann das Gesamtrisiko Ihres Portfolios reduziert werden, denn unterschiedliche Anlageklassen weisen unterschiedliche Risiko-Rendite-Charakteristiken auf. Der Grund dafür ist, dass diese Anlageklassen untereinander teils negative Korrelationen aufweisen. Grundsätzlich sollte die Verteilung Ihres Vermögens vor allem auf Basis Ihrer Risikotragfähigkeit passieren, nicht darauf wie viel Rendite sie erwirtschaften wollen.

Egal, wie Sie ihr Vermögen strukturieren möchten, Sie sollten sich in der Analyse Ihres Portfolios immer einen passenden Vergleichswert, eine sogenannte Benchmark, suchen. Anhand dieser können Sie relative Risiken und Abweichungen identifizieren, um so wiederum die Qualität Ihrer Geldanlage zu verbessern. Nehmen wir an, Ihr Portfolio besteht zu ca. 95 % aus Aktien und zu ca. 5 % aus Anleihen. Sie machen einen Selbsttest zur Einschätzung Ihrer Risikotragfähigkeit und das Ergebnis empfiehlt Ihnen ein im Vergleich dazu konservativeres Portfolio mit etwa einem Viertel Anleihen und drei Vierteln Aktien. Dann wird dieses Portfolio Ihre Benchmark.

Quelle: Ginmon, Morningstar

Durch einen einfachen Abgleich der jeweiligen Gewichtungen lassen sich bereits deutliche Abweichungen von der ausgewählten Benchmark erkennen. Das heißt, momentan weist das beispielhafte Portfolio einen deutlich zu großen Aktienanteil und einen deutlich zu niedrigen Anleihenanteil auf. Es wurde somit ein höheres Risiko eingegangen, als man eigentlich bereit ist zu tragen. Als konkrete Maßnahme sollte dementsprechend die Zusammensetzung angepasst werden.

2. Wird Ihr Depot von einzelnen Wertpapieren dominiert?

Das Wort Diversifikation ist in aller Munde. Doch was bedeutet das überhaupt? Grundsätzlich gibt es am Markt zwei Arten von Risiko: systematisches und unsystematisches Risiko. Das systematische Risiko lässt sich selbst bei optimaler Mischung aller Wertpapiere im Portfolio nicht durch Diversifizierung beseitigen. Es ist systemisch, es besteht zu jedem Zeitpunkt. Im Gegensatz dazu lässt sich unsystematisches Risiko durch Diversifikation minimieren. Je mehr nicht perfekt miteinander korrelierte Wertpapiere Sie in Ihr Depot aufnehmen, desto geringer wird folglich das unsystematische Risiko Ihres Portfolios. Aus diesem Grund wird lediglich das systematische Risiko am Markt mit einer Risikoprämie vergütet, wohingegen das Eingehen von unsystematischem Risiko unbelohnt bleibt.

Quelle: Ginmon, Morningstar

In Bezug auf diese Thematik lässt sich ein häufig beobachtbarer Fehler vieler Privatanleger erkennen: Oft liegt der Fokus der Geldanlage auf einzelnen Unternehmen, welche sie aus ihrem Umfeld kennen. Sei es der eigene Arbeitgeber oder eine Firma, bei der man selbst gerne Kunde ist. Häufig erreichen so einzelne Unternehmen einen sehr großen prozentualen Anteil im Depot, wodurch auch die gesamte Performance stark von der Entwicklung dieser wenigen Unternehmen abhängt. Als Daumenregel für die Portfolio-Analyse sollten einzelne Unternehmen, selbst wenn man vollkommen von diesen überzeugt ist, nicht mehr als ca. 10 % des Portfolios ausmachen. Für risikoaverse Anleger sollte das Maximalgewicht nicht mehr als ca. 2-3 % betragen. Um zu prüfen, wie sehr ein Depot von der Entwicklung einzelner Aktien abhängig ist, sollte man die Summe der zehn größten Einzelpositionen betrachten. Macht diese Summe bereits einen Großteil Ihres Depots aus, sollten Sie über eine breitere Streuung nachdenken.

Quelle: Ginmon, Morningstar

In diesem Beispiel lässt sich das deutliche Übergewicht der SAP-Aktie am Portfolio erkennen. Mit einem Anteil von ca. 53 % dominiert ein einziger Wert die Wertentwicklung des Gesamtdepots. Betrachtet man die zehn größten Einzelpositionen, machen diese zusammen ca. 85 % des gesamten Depots aus. Eine gute Diversifikation über verschiedene Einzeltitel hinweg sieht anders aus. Durch den Abbau von Einzelpositionen lässt sich in diesem Fall eine deutliche Risikominderung verzeichnen.

3. Ist Ihr Portfolio über verschiedene Regionen diversifiziert?

Neben dem Problem, dass für eine ausreichende Diversifikation oft schlicht zu wenige verschiedene Wertpapiere gekauft werden, landen oftmals auch nur inländische Aktien in den Depots der Privatanleger. Dieses Phänomen wird auch als “Home Bias” bezeichnet. Anleger wiegen sich hierbei in der falschen Sicherheit, dass sie über ein Unternehmen besser Bescheid wüssten, nur weil sie es kennen oder in dessen Nähe leben. Durch den Fokus auf das eigene Heimatland gehen leider auch die Vorteile einer internationalen Geldanlage verloren. Für eine global diversifizierte Geldanlage bieten sich drei verschiedene Ansätze an: Gleichgewichtung aller Regionen, Gewichtung anhand der Marktkapitalisierung oder Gewichtung auf Basis des Bruttoinlandsproduktes.

In vielen der gängigen Aktienindizes, wie etwa dem MSCI World, wird die Gewichtung anhand der Marktkapitalisierung vollzogen. Eine Folge davon ist, dass das Gewicht der Vereinigten Staaten bei ca. 66 % liegt, da viele der sehr großen Unternehmen in den USA beheimatet sind. Dieses Übergewicht stellt ein mögliches Klumpenrisiko dar und sollte nach Möglichkeit vermieden werden. Die Alternative zur Allokation nach Marktkapitalisierung stellt das Bruttoinlandsprodukt dar. Hier wird die Wirtschaftskraft der einzelnen Nationen in den Vordergrund gerückt, wodurch eine genauere Abbildung der realen Weltwirtschaft entsteht.

Quelle: Ginmon, Morningstar

Die hier dargestellte Benchmark entspricht einer Gewichtung nach dem Bruttoinlandsprodukt der einzelnen Regionen. Vergleicht man die Benchmark mit dem dargestellten Portfolio, erkennt man in Europa und Amerika ein Übergewicht, wohingegen im asiatischen Raum ein deutliches Untergewicht vorherrscht. Das zugrundeliegende Portfolio investiert überwiegend in Titel aus dem Euroraum und der USA, eine breite Diversifikation über verschiedene Regionen hinweg wird außer Acht gelassen.

4. Ist Ihr Depot über verschiedene Branchen diversifiziert?

Ein weiterer wichtiger Aspekt der Diversifikation ist die Streuung über verschiedene Branchen. Oftmals leiden Anleger unter dem Trugschluss, dass ein Portfolio aus vielen Einzelaktien mit einem hohen Grad an Diversifikation gleichzusetzen wäre. Das ist aber nicht zwingend der Fall. Besteht ein Depot etwa aus 100 Einzelaktien, von denen zwei Drittel derselben Branche zugehörig sind, dann weist das Portfolio trotz der hohen Anzahl an Einzelwerten ein deutliches Klumpenrisiko auf. Grundsätzlich gilt, dass Unternehmen aus derselben Branche auch ähnlichen Risiken ausgesetzt sind. Um sogenannte “Sektorwetten” zu vermeiden, sollten Sie Ihr Geld über verschiedene Branchen hinweg verteilen.

Quelle: Ginmon, Morningstar

Im gegebenen Fall ergibt die Portfolio-Analyse ein großes Übergewicht innerhalb des Technologie-Sektors. Nicht nur gilt diese Branche seit jeher als Wachstumsbranche, sondern es sind auch viele der großen US-Konzerne wie Apple, Microsoft und Google hier angesiedelt. Ebenfalls auffällig ist die Untergewichtung des Rohstoffe– sowie Immobiliensektors. Diese Anlageklassen wirken auf einige Anleger nicht sehr spannend, sollten aber grundsätzlich Bestandteil eines soliden Portfolios sein. Die Hinzunahme von Rohstoffen und Immobilien bietet einen großen Vorteil, da diese durch ihre jeweils geringe oder sogar negative Korrelation mit traditionellen Anlageklassen für eine zusätzliche Risikoreduktion sorgen. Zudem liefern diese einen effektiven Schutz gegen Inflation, welche Aktien oder Anleihen nicht bieten können.

5. Entspricht Ihre Anleihen-Allokation Ihren Bedürfnissen?

Anleihen stellen einen elementaren Bestandteil vieler Portfolios dar, weil sie unter normalen Umständen kaum mit Aktien korrelieren. Eine Investition in Anleihen kann aus diversen Gründen sinnvoll sein, häufig ist es aber die Risikoreduktion, welche im Mittelpunkt steht. Die Rendite einer Anleihe wird maßgeblich durch die Kreditwürdigkeit, sprich die Bonität, des jeweiligen Emittenten geprägt. Bei Staatsanleihen handelt es sich um von Ländern ausgegebene Schuldverschreibungen. Da hierbei das jeweilige Land selbst als Schuldner auftritt, gelten insbesondere Anleihen von Ländern wie Deutschland oder auch den USA als sehr sicher. Entsprechend dem Zusammenspiel von Risiko und Rendite werden solche vergleichsweise sicheren Geldanlagen jedoch nur (wenn überhaupt) minimal verzinst. Wer etwas mehr Rendite aus Anleihen herausholen möchte, der muss sich in einer höheren Risikokategorie bewegen. Unternehmensanleihen bieten hier breitere Möglichkeiten. Wie auch bei Aktien sollte die Devise aber lauten: “Legen Sie nicht alle Eier in einen Korb”.

Quelle: Ginmon, Morningstar

Grundsätzlich sollte eine Benchmark auf die jeweils persönliche Risikotragfähigkeit abgestimmt werden. Im dargestellten Beispiel lässt sich analysieren, dass das Portfolio deutlich von dieser abweicht und in riskantere Anleihen investiert. Ein Großteil der Wertpapiere besteht aus Unternehmensanleihen mit einem durchschnittlichen Rating von BB. Diese Bewertung fällt bereits unter die Kategorie “Speculative Grade”, umgangssprachlich auch als “Junkbonds” bezeichnet. Die Duration ist in diesem Beispielportfolio sehr ähnlich zu der Benchmark und stellt die Sensitivität der Anleihen hinsichtlich einer Zinsänderung dar. Allgemein gilt, dass je niedriger der Kupon und je länger die Laufzeit einer Anleihe, desto größer die Duration. Um einem möglichst geringen Zinsänderungsrisiko ausgesetzt zu sein, können möglichst kurz laufende Anleihen mit einer geringen Duration ausgewählt werden.

6. Berücksichtigt Ihr Portfolio wirklich alle Renditequellen?

Mit Fortschritten in der Kapitalmarktforschung konnten empirisch verschiedene Risikofaktoren identifiziert werden. Risikofaktoren stellen systematische Anomalien hinsichtlich der Wertentwicklung sowie der Volatilität bestimmter Gruppen von Wertpapieren dar. Das bedeutet, manche Wertpapiere entwickeln sich aus gewissen Gründen anders als andere. Anleger können das ausnutzen, indem sie gezielt in solche Wertpapiere investieren. Die beiden bekanntesten dieser Faktoren sind der Size- sowie Value-Faktor. Garantiert sind Überrenditen mit solchen Wertpapieren jedoch nicht, denn obwohl sie im Durchschnitt über einen langen Zeitraum existieren, kann es bei kürzer Betrachtung zu Abweichungen kommen.

Inwiefern ein Portfolio Faktoren berücksichtigt, kann aus diversen Bewertungskennzahlen abgeleitet werden. KGV, KCV und KBV sind Kennzahlen zur Beurteilung der Ertragskraft eines Unternehmens. Beispielsweise stellt das KGV das Verhältnis vom Gewinn eines Unternehmens zu dessen Aktienkurs dar und gibt so Auskunft darüber, ob eine Aktie vergleichsweise preisgünstig ist oder nicht. Um zu beurteilen, ob ein Portfolio viele Value-Unternehmen enthält, kann etwa das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) betrachtet werden.

Quelle: Ginmon, Morningstar

In der hier dargestellten Situation weist das Portfolio eine deutliche Tendenz hin zu Wachstumsunternehmen auf. Die lässt sich durch die im Vergleich zur Benchmark deutlich erhöhten Bewertungskennzahlen erkennen. Je größer das KGV, desto größer und ambitionierter sind die Erwartungen des Marktes an die zukünftige Entwicklung dieses Unternehmens. Da es sich hierbei um die Zukunft handelt, sind diese Erwartungen folglich mit einer gewissen Unsicherheit verbunden. In der dargestellten Analyse-Matrix von Unternehmensgröße und Anlagestil kann ein deutliches Untergewicht von sowohl Value- als auch Smallcap-Unternehmen erkannt werden. Dadurch kann nur unterdurchschnittlich von den beiden Faktorprämien profitiert werden. Auch aus Gründen der Diversifikation ergibt es Sinn, nicht nur auf große Unternehmen mit besonders hohem Wachstum zu setzen.

7. Vermeiden Sie hohe Gebühren

Achten Sie bei Ihrer Geldanlage immer auf die damit verbundenen Kosten.  Häufig verliert man bei einer Vielzahl von ETFs und Fonds im eigenen Depot den Überblick über die gesamte Kostenstruktur. Eine Analyse Ihres Portfolios kann hohe Kosten vorbeugen. Wie viel Geld zahlen Sie wirklich für Ihre Investments? Es kann passieren, dass der ein oder andere Fonds mit hohen Ausgabeaufschlägen und Gesamtkosten in der Masse des Depots untergeht. Hierfür ist es lohnend, eine Kostenanalyse des eigenen Portfolios durchzuführen, um mögliche Kostentreiber zu identifizieren und schließlich zu eliminieren.

Die Kosten setzen sich unter anderem aus folgenden Komponenten zusammen:

  • Fondskosten / Total Expense Ratio (TER)
  • Ausgabeaufschläge
  • Depot- und Handelskosten
  • Servicegebühren

Bei aktiven Fonds, die mit einem Fondsmanager arbeiten, liegen die Kosten schnell bei ca. 1,5 % der Anlagesumme pro Jahr. Um Kosten zu sparen, bieten sich ETFs an. Hier liegen die Kosten, je nach Komplexität des Anlageprodukts, häufig bei ca. 0,2 % der Anlagesumme pro Jahr. Achten Sie auch darauf, keine Ausgabeaufschläge zu zahlen. Diese liegen bei aktiven Fonds oftmals zwischen 3 und 5 % der Anlagesumme und werden bereits direkt zu Beginn abgezogen. Anleger benötigen häufig Jahre, um diesen Abschlag wieder “zurückzuverdienen”. Bei ETFs fallen Ausgabeaufschläge grundsätzlich nicht an.

Berechnen Sie auch die Kosten für Depotführung und Handel mit ein. Diese Kosten können sich auch beim Kauf von ETFs schnell auf mehrere Hundert Euro pro Jahr summieren. Die meisten Anbieter berechnen zudem eine jährlich anfallende Servicegebühr. Was genau darin enthalten ist, entscheidet sich von Anbieter zu Anbieter teils enorm. Grundsätzlich sollten Sie immer darauf achten, dass wirklich alle Depotführungs- und Transaktionskosten darin enthalten sind.

Beide Anlageprodukte bieten die Möglichkeit, auf einfache Weise eine breite Diversifikation zu erreichen. ETFs stellen ein Anlageinstrument dar, welches möglichst exakt einen zugrunde liegenden Index abbilden soll, um so an dessen Wertentwicklung zu partizipieren. ETFs gelten daher als ein passives Anlageinstrument. Das bedeutet, dass der jeweilige ETF-Manager keine aktiven Anlageentscheidungen trifft, sondern lediglich die Bewegungen des Referenzindex nachbildet. Dem gegenüber stehen die traditionellen, aktiv gemanagten Investmentfonds, welche mittels Recherche und Analysearbeit versuchen die besten Unternehmen für das Portfolio auszuwählen.

Empirisch hat sich gezeigt, dass es den wenigsten aktiv verwalteten Investmentfonds gelungen ist, Ihren jeweiligen Vergleichsindex konstant über mehrere Jahre hinweg zu schlagen. In den meisten Fällen ist die Rendite der aktiven Investmentfonds gerade aufgrund der im Vergleich zu ETFs hohen Kosten niedriger ausgefallen. Zusätzlich bietet jede aktive Investmententscheidung eines Fondsmanagers auch das Potenzial eine falsche Entscheidung zu sein. Aus diesen Gründen ist eine Investition in ETFs zu bevorzugen.

8. Achten Sie auf Überschneidungen in Ihrer Portfolio-Analyse

Je mehr Sie in verschiedene ETFs, Aktien und Fonds investieren, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass Dopplungen auftreten. Überschneidungen sind grundsätzlich nichts Schlechtes und lassen sich auch nicht immer vermeiden, gerade wenn Sie bei Ihrer Anlagestrategie verstärkt auf ETFs zurückgreifen. Sie sollten dennoch bei der Portfolio-Analyse im Auge behalten und darauf achten, dass diese nicht zu groß werden. Sonst besteht die Gefahr, dass die Diversifikation nur oberflächlich besteht und sich bei genauerem Hinsehen große Klumpenrisiken zeigen.

Quelle: Ginmon, Morningstar

In dem hier gezeigten Beispiel wird die Problematik schnell klar. Die Summe der Überschneidungen dieses Depots beläuft sich auf enorme 42,93 %. Dies ist jedoch kein Ausnahmefall. Immer wieder kaufen Anleger neben ETFs auch Einzelaktien, ohne zu prüfen, ob diese bereits in den gehaltenen ETFs enthalten sind. In diesem Beispiel findet man Apple als Einzelaktie mit einem Gewicht von ca. 5 % wieder. Das tatsächliche Gewicht von Apple liegt jedoch aufgrund der gehaltenen ETFs bei 9 %. Auch lässt sich am Namen einiger ETFs nicht eindeutig erkennen, was darin enthalten sein soll – oder hätten Sie hinter dem “BlackRock US Carbon Transition Readiness ETF” eine Technologie-Sektorwette erwartet?

9. Sonderfall ESG: Wie nachhaltig ist Ihr Depot wirklich?

Möchte man sein Geld nachhaltig anlegen, gibt es verschiedene Ansätze und Möglichkeiten. Bei der Auswahl eines nachhaltigen Investmentansatzes finden insbesondere die sogenannten ESG-Kriterien Anwendung. Die Abkürzung ESG steht für Environmental, Social und Governance – Umwelt, soziales und Unternehmensführung. Mithilfe dieser Kriterien werden Analysen durchgeführt, inwieweit ein Unternehmen als nachhaltig einzustufen ist. Leider sind die hierbei angewandten Methodiken und Begrifflichkeiten nicht eindeutig definiert, weshalb man als Anleger genau hinschauen sollte. Ansonsten besteht die Gefahr des “Greenwashings”. So können Kunden und Anleger mit beschönigenden Beschreibungen oder Behauptungen hinsichtlich der eigenen Nachhaltigkeit in die Irre geführt werden. Auch für das Thema Geldanlage ist das ein reales Problem. Anleger sollten sich deshalb nicht zu sehr auf bestimmte Signalwörter verlassen, sondern sich genau über den im Finanzprodukt verwendeten Nachhaltigkeitsansatz informieren.

Quelle: Ginmon

In der hier dargestellten Grafik nimmt die strenge der Nachhaltigkeitskriterien von links (locker) nach rechts (strikt) zu. So werden etwa durch die Nutzung lockerer Ausschlusskriterien (Exclusion Policy) kontroverse Branchen wie etwa die Tabak- und Rüstungsindustrie aus dem Anlageuniversum ausgeschlossen. Der stärkste Ansatz um die tatsächlich nachhaltig agierenden Unternehmen zu identifizieren wird unter dem Begriff “Impact Investing” zusammengefasst. Hierbei rückt der Gedanke, mit seiner Investition einen direkten positiven sozialen und/oder ökologischen Beitrag zu erzielen, deutlich in den Vordergrund. Zwischen lockeren Filtern und strikten Ausleseverfahren lassen sich diverse weitere Ansätze, Filter und auch Zwischenstufen finden. Welche Sie hierbei wählen sollten, hängt von Ihren eigenen Präferenzen ab.

10. Kontrollieren Sie regelmäßig Ihre Portfoliostruktur

Da sich die einzelnen Bestandteile Ihres Portfolios unterschiedlich entwickeln, verändert sich mittel- bis langfristig auch die Zusammensetzung Ihrer Depots. Wer seine Portfolios nicht zumindest alle paar Monate analysiert, der könnte böse überrascht werden. Wenn sich ein Wertpapier besonders stark entwickelt hat, dann wird es, sofern keine entsprechende Anpassung erfolgt, über Kurz oder Lang die gesamte Geldanlage dominieren. Die weitere Wertentwicklung wird dann maßgeblich von diesem Wertpapier bestimmt, das ursprünglich angestrebte Risikoprofil wird zerstört.

Um Probleme zu vermeiden, sollten Sie regelmäßig prüfen, ob Ihr derzeitiges Depot noch Ihrer ursprünglichen Anlagestrategie und Risikopräferenz entspricht, oder ob sich nicht sogar Ihre grundlegenden Präferenzen mit der Zeit verändert haben. Nur wer sich langfristig strikt an die eigene Risikotoleranz hält, kann sich frei von emotionalen Einflüssen am Kapitalmarkt bewegen.

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