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Fußballaktien - Ein kluger Schachzug oder direkt ins Abseits?

Ein kluger Spielzug oder direkt ins Abseits? Seit einiger Zeit können viele Fans ihre Lieblingsmannschaft nicht nur im Stadion oder vor dem Fernseher unterstützen, sondern auch am Aktienmarkt. Wie auch beim Fußball gilt hier zweifelsohne die Regel, dass die Aktienkurse börsennotierter Fußballclubs ihren eigenen Gesetzen folgen. Zudem ist besondere Vorsicht bei überzogenen Erwartungen im Vorfeld von Börsengängen geboten.

Der europäische Fußball-Kapitalmarkt: Ein Überblick

Zwar sind börsennotierte Fußballclubs im europäischen Geschäft noch immer eher eine Seltenheit, doch wer genauer hinsieht, kann sich das ein oder andere Leibchen ins eigene Depot legen.

In Deutschland sind mit Borussia Dortmund und der SpVgg Unterhaching lediglich zwei Vereine an der Börse notiert. In Italien (AS Rom, Lazio Rom und Juventus Turin) und Portugal (Sporting Lissabon, Benfica Lissabon, FC Porto, SC Braga) hingegen sind börsennotierte Fußballvereine schon deutlich öfters anzutreffen.

Neben der Türkei mit insgesamt ebenfalls vier Vereinen (3x Istanbul, Trabzonspor) ist jedoch Dänemark mit fünf Vereinen zahlenmäßig Spitzenreiter im europäischen Fußball-Kapitalmarktgeschäft. Die Kursentwicklung dieser Vereine lässt sich überaus einfach im Index STOXX ® Europe Football verfolgen, der alle gelisteten Fußballclubs an Börsen in Europa, der Türkei und EU-erweiterten Ländern umfasst.

Vereine wie Manchester United sind ebenfalls an der Börse anzutreffen, werden jedoch nicht über europäische Börsen gehandelt, sondern über die New York Stock Exchange und sind daher nicht im oben genannten Index vertreten. Doch wie haben sich diese Titel in den letzten Jahren entwickelt und lohnt sich eine Investition in Fußballaktien überhaupt?

Eigene Gesetze für die Kurse von Fussballaktien

In den vergangenen Jahren entwickelt sich der europäische Fußball aus einer kommerziellen Sicht immer mehr zu einer wahren Geldmaschine. Der Verkauf von Fernsehrechten treibt die Einnahmen der Clubs mehr und mehr in schwindelerregende Höhen, weshalb auch die Ablösesummen für einzelne Spieler längst im dreistelligen Millionenbereich angekommen sind. Da läge eigentlich die Vermutung nahe, dass sich dies auch auf die Aktienkurse börsennotierter Fußballvereine auswirkt.

An dieser Stelle werden jedoch sämtliche Fundamental-Theoretiker und Befürworter eines rationalen Verhaltens am Aktienmarkt enttäuscht, denn: Aktien von Fußballvereinen folgen ihren eigenen Gesetzen. Zwar hängen die finanzielle Gesundheit und die nachhaltige Ertragskraft eines Vereines mittel- bis längerfristig mit dem Abschneiden im Sportbetrieb zusammen, jedoch kann hierdurch nicht zu 100 % die Kursentwicklung eines börsennotierten Fußballvereins erklärt werden. Vielmehr spielen Emotionalität und Euphorie eine wesentlich stärkere Rolle und haben einen bedeutend größeren Einfluss auf die Aktienkurse als beispielsweise bei einem altgedienten Industrieunternehmen. 

Beispiele für starke kurzfristige Impulse liefert Juventus Turin in schöner Regelmäßigkeit, so auch bei der Verpflichtung von Cristiano Ronaldo im Sommer 2018. Seit in der Woche des 2. Juli 2018 erstmals ernsthafte Spekulationen bezüglich eines Wechsels aufkamen, schoss die Aktie an der Borsa Italiana um mehr als 35 % bis zur finalen Bestätigung des Transfers am 10. Juli 2018 nach oben. Im folgenden Monate stieg der Kurs immer weiter, sodass innerhalb eines Monats ein Plus von mehr als 90% verzeichnet werden konnte. Umgekehrt fiel der Kurs nach dem Aus gegen Ajax Amsterdam im Champions League-Viertelfinale im Jahr 2019 innerhalb weniger Tage um 30 %.

Quelle: Ginmon, Google Finance (Stand: 18.06.2021)

Es lässt sich also recht schnell erkennen, dass das Abschneiden im prestigereichsten Wettbewerb der Champions League einen direkten Einfluss auf den Aktienkurs von teilnehmenden Fußballvereinen zu haben scheint.

So sorgt der Einzug in das Halbfinale dieses Wettbewerbs für eine Welle der Euphorie bei Anlegern und führt zu starken Kursanstiegen. Auf der anderen Seite führt eine Niederlage genauso schnell dazu, dass der Kurs wieder fällt. 

Doch gab es in der Vergangenheit auch Ereignisse, die für Anleger unmöglich vorherzusehen waren und nur wenig mit den sportlichen Leistungen der jeweiligen Vereine zu tun hatten. So detonierten auf dem Weg zum Stadion neben dem Teambus von Borussia Dortmund am 11. April 2017 mehrere Sprengsätze. Der Täter wollte damit den Aktienkurs des BVBs zum Einbruch bringen. Glücklicherweise wurde niemand ernsthaft verletzt, ein Spielabbruch infolge einer Kapitalmarkt-motivierten Bombendetonation war jedoch ein absolutes Novum im weltweiten Fußballgeschäft. Der Kurs des BVB fiel infolgedessen jedoch kaum. 

Ein ähnliches, jedoch glücklicherweise nicht ganz so schlimmes Beispiel ist das Länderspiel zwischen Dänemark und Schweden im Juni 2007. Die Nationalmannschaften trafen im Parken-Stadion des börsennotierten FC Kopenhagen im Rahmen der Qualifikation für die UEFA Euro 2008 aufeinander. Nachdem in der 89. Spielminute ein Fan auf den Platz stürmte, den Schiedsrichter attackierte und das Spiel kurz darauf abgebrochen wurde, strich die UEFA mehrere Spiele im Parken-Stadion. Der Aktienkurs des FC Kopenhagen brach daraufhin innerhalb eines Monats um 10 % ein, da die Ticketverkäufe für die kommenden Spiele schon voll im Gange waren. 

Neben solchen kurzfristigen Schocks kann auch ein weiterer Faktor von Belang sein. Für die wirtschaftliche Gesundheit eines Vereins, die wiederum erheblichen Einfluss auf den Aktienkurs haben kann, sind effektive Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten unabdingbar. Im Fach-Terminus ist dies die Jugendabteilung und das Club-spezifische Scouting-System, dessen Erfolg sich längerfristig in den Transfererlösen eines Vereins widerspiegelt.

Es vermag daher eine sinnvolle Strategie sein, als Ausbildungs-Club Spieler mit Perspektive günstig einzukaufen und diese anschließend an die ganz großen Clubs teurer weiterzuveräußern. Die drei größten portugiesischen Clubs stellen für eine solche Herangehensweise exzellente Beispiele dar. 

Analysiert man die Transfererlöse seit der Saison 2010/11 und stellt diese den gezahlten Ablösesummen gegenüber, so ergeben sich gewaltige Transfer-Salden für alle drei Vereine, welche wiederum für eine erfolgreiche Transferpolitik sprechen. 

Quelle: Ginmon, Transfermarkt.de (Stand: 18.06.2021)

Während Sporting Lissabon bis heute kumulativ ein Plus von ca. 236 Mio. € generieren konnte, beträgt der Saldo für den FC Porto gar stolze 372 Mio. €. Unangefochtener Spitzenreiter ist jedoch Benfica Lissabon mit Gewinnen von mehr als 623 Mio. € allein aus Spielertransfers. Dieses Muster ist jedoch nicht nur auf Vereinsebene zu beobachten.

Aggregiert man sämtliche Transfers, so fällt auch auf Ligaebene auf, dass die portugiesische Liga weltweit führend ist. Hiermit konnte sogar die brasilianische Liga auf Platz zwei verwiesen werden, deren jugendliche Edeltechniker seit jeher ein Exportschlager nach Europa sind. Platz drei nimmt die niederländische Eredivisie ein, wo allein Ajax Amsterdam mit einem Saldo von ca. 349 Mio. € seit der Saison 2010/11 für mehr als ein Viertel der Gesamterlöse steht.

Quelle: Ginmon, Transfermarkt.de (Stand: 18.06.2021)

Allerdings stellen die Transfer-Salden bei den drei betrachteten portugiesischen Vereinen lediglich ein weiteres Beispiel für eigene Gesetze im Fußball-Kapitalmarkt dar.

Entgegen der immensen Transfergewinne konnte von den portugiesischen Vereinen lediglich die Aktie von Benfica Lissabon seit Beginn der Saison 2010/11 (Annahme: 01.08.2010) überzeugen. Während Benfica in den letzten 10 Jahren ein Plus von ganzen 151 % aufweisen konnte, liegt dies beim FC Porto bei lediglich 26 % und bei Sporting Lissabon sogar nur bei 7 %. Das Verfolgen einer solchen Strategie hätte sich somit lediglich bei Benfica Lissabon besonders gelohnt.

Vorsicht bei IPO's: Langfristig drohen Verluste

Zum Abschluss wollen wir zusätzlich die Situation eines Börsengangs im Fußballgeschäft beleuchten. Der Gang aufs Parkett kann für Fans eine ganz neue Form der Unterstützung eröffnen. Besondere Vorsicht gilt jedoch bei der Zeichnung von Aktien direkt zum Börsengang, da nicht selten neu gelistete Vereine die oftmals überzogenen Kurserwartungen kaum erfüllen können. 

Für den Kurs von Juventus Turin brauchte es beispielsweise seit dem Börsengang im Dezember 2001 fast 17 Jahre, ehe die Aktie im September 2018 erstmals den Ausgabekurs übertraf. Noch schlimmer verhält es sich mit Olympique Lyon.

Der Zeitpunkt des Börsengangs im Februar 2007 war im Vorfeld der Finanzkrise rückblickend zwar etwas unglücklich gewählt, jedoch tröstet dies Anleger kaum darüber hinweg, dass die Aktie bei einem Ausgabekurs von 14,57 € in den vergangenen Jahren nie auch nur die Schwelle von 5,00 € überschritt. Ähnlich verhalten sich die Papiere des AS Rom. Mit einem Ausgabepreis von 2,13 € im Juni 2000 gestartet, notierte die Aktie Mitte 2021 bei 0,44 €, was einen Verlust von ca. 79,3 % darstellt.

Ein besonderes extremes Beispiel stellt dabei auch Lazio Rom dar, dessen Kurs nach einem Börsendebüt zu 192 € im Jahre 1998 zunächst bis auf 511 € im Jahr 2000 stieg, danach jedoch sehr stark abstürzte und auf unter 1 € im Jahr 2004 fiel. Seit damals verläuft der Kurs von Lazio Rom eher seitwärts und liegt dadurch auch im Jahr 2021 noch bei lediglich 1,25 €.

So kann man diese drei Vereine gar als seltenes Beispiel nehmen, bei denen sich langfristiges Investieren keineswegs auszahlt. Zusammenfassend ist daher bei Börsengängen besondere Vorsicht geboten, da die zuvor erläuterten Faktoren Emotionalität und Euphorie auch bei der erstmaligen Zeichnung von Aktien eines Fußballclubs eine erhebliche Rolle spielen können. Es kann daher eine sinnvolle Strategie sein, nach einer Neuemission erst einmal die Kursentwicklung der ersten Monate abzuwarten.

Fazit: Ein kluger Spielzug oder direkt ins Abseits?

Zweifelsfrei können die fußballerisch erfolgreichen Vereine auch am Kapitalmarkt glänzen. Schon bei Betrachtung der Kursverläufe und deren Anfälligkeit gegenüber kurzfristigen Schocks wird jedoch schnell klar, dass eine Investition in Fußballclubs entweder als sehr spekulativ einzustufen ist oder nur etwas für Liebhaber der jeweiligen Vereine ist.

Auch für die Zukunft gilt: Kursverläufe von Fußball-Aktien werden sich nicht zu 100 % rational erklären lassen können. Daher kommen – zugespitzt ausgedrückt – Investitionen in Fußballvereine dem Eingehen von Sportwetten näher als einem langfristig gewinnbringenden Investment. 

Weiterhin ist besondere Vorsicht bei der Zeichnung von Aktien beim Börsengang geboten, da selbst die Aktien international bedeutender Vereine wie Juventus Turin, der AS Rom oder Olympique Lyon ihren Ausgabepreis erst nach langen Jahren bzw. bis dato nie wieder erreichen konnten.

Unserer Einschätzung nach bleiben Fußballaktien daher eher etwas für eingefleischte Fans, die den Aktienkauf mehr als Teil ihrer Unterstützung für den Verein ansehen, als langfristig damit stabile Kursgewinne zu erwirtschaften versuchen.

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