Fallen Angels

Bei Fallen Angels (dt. gefallene Engel) handelt es sich um Anleihen, die ursprünglich das Anleihe-Rating “Investment Grade” hielten, im Laufe der Zeit aber auf das Bonitätsniveau von Schrottanleihen (engl. Junk Bonds) herabgestuft wurden. Der Grund für eine solche Herabstufung ist in den meisten Fällen eine Verschlechterung der finanziellen Situation des Emittenten.

Was sind Fallen Angels?

Die Herabstufung (engl. Downgrade) erfolgt in der Regel durch eine der großen Ratingagenturen Standard & Poor’s, Moodys’s oder Fitch Ratings. Fallen Angels können neben Unternehmen z.B. auch Staaten oder Kommunen sein. In den meisten Fällen wird ein Unternehmen aufgrund von unternehmensspezifischen Problemen oder Veränderungen innerhalb der Branche, in der das Unternehmen tätig ist, zu einem gefallenen Engel.

In der Folge sehen sich Unternehmen häufig mit Umsatzeinbrüchen und Liquiditätsengpässen konfrontiert, sodass sich die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass der Schuldner seinen Verpflichtungen nicht nachkommen kann. Ist der Emittent bereits stark verschuldet, macht dies den Ausfall des Schuldners und ein Downgrade der Bonität noch wahrscheinlicher.

So fällt ein Engel in Ungnade

Gerät ein Emittent in eine wirtschaftliche bzw. finanzielle Schieflage, wird die Anleihe erst einmal unter Beobachtung, die sogenannte Credit Watch, gestellt. Auch dieser Schritt hat schon schwerwiegende Folgen für den Herausgeber der Anleihen. Gemäß finanzieller Regularien dürfen bestimmte Anleger Bonds, die unter dieser Beobachtung stehen, weder handeln noch in ihren Portfolios halten. Infolgedessen kommt es häufig zu starken Abverkäufen und damit verbundenen Kursverlusten der Anleihen. Dies verschlechtert die bereits prekäre finanzielle des Herausgebers weiter.

Das tatsächliche Downgrade auf den Status eines Junk Bonds erhöht den Verkaufsdruck weiter, weil nun noch mehr Investoren gezwungen sind, Anleihen des nun gefallenen Engels zu verkaufen. Insbesondere institutionelle Anleger dürfen in der Regel nur Investment Grade-Anleihen in ihren Portfolios halten. Der Verlust des Investment Grade-Status hat für Unternehmen daher verheerende wirtschaftliche Folgen. Für Fallen Angels wird es noch schwieriger und vor allem teurer, sich am Kapitalmarkt zu finanzieren.

Chancen und Risiken von Fallen Angels

Fallen Angels können unter Umständen ein attraktives Investment darstellen. Unter den Schrottanleihen können sich gerade herabgestufte Bonds als weiterhin werthaltige Anleihe erweisen, die aber aufgrund ihres Image schlechter bewertet werden. In diesen Fällen spricht man von einem “temporären” Fallen Angel. Anleger spekulieren darauf, dass sich der Emittent wirtschaftlich wieder erholt, die Anleihe im Wert steigt und wieder den wichtigen Status Investment Grade erreicht.

Im Vergleich zu Investment Grade Anleihen versprechen Fallen Angels deutlich höhere Renditen. Auf der anderen Seite weisen sie aber auch eine höhere Volatilität sowie ein höheres Ausfallrisiko aus. Weniger als ein Fünftel der Fallen Angels schaffen überhaupt den Wiederaufstieg ins Investment Grade. Der Großteil der gefallenen Engel erholt sich also nie und bleibt dauerhaft ein Junk Bond.

Wieder aufstrebende Fallen Angels frühzeitig zu identifizieren, kann sich für spekulative Investoren als äußerst lukrativ herausstellen. Aufgrund der zugrundeliegenden Risiken eignen sie sich aber in der Regel nicht für normale Anleger.

Praxisbeispiel: Deutsche Lufthansa AG

Aufgrund der Auswirkungen der Corona-Krise und damit einhergehender Umsatzeinbrüche wurde die Lufthansa am 17. März von der Ratingagentur Moody’s herabgestuft.

Durch das Downgrade von der Bonitätsnote  Ba1 zu Baa3 verlor die Anleihe der Lufthansa AG ihren Investment Grade-Status. Moody’s begründete diesen Schritt mit dem starken Rückgang der Passagierzahlen, welcher sich letztlich negativ auf Cash Flow, Liquidität und Verschuldungsgrad auswirken würde. 

Die Lufthansa findet sich als gefallener Engel in durchaus prominenter Gesellschaft wieder. Etablierte Unternehmen wie die Autobauer Ford und General Motors und der Lebensmittelkonzern Kraft Heinz wurden in der Corona-Krise ebenfalls in den Junk Bond-Markt gespült. 

Die Auswirkungen des Downgrades könnten für die Lufthansa folgenschwer sein.

So fiel die Lufthansa-Aktie  nach der Herabstufung stark. Die zu Beginn des Jahres ausgegebene Anleihe notierte zwischenzeitlich zu nur noch bei 80 % des Nennwerts, während die Verzinsung von ursprünglich 0,25 % auf über 5 % anstieg. Um wieder in den Bereich der Investment Grade-Anleihen zu gelangen, muss die Lufthansa ihren Verschuldungsgrad reduzieren und gleichzeitig ihren wiederkehrenden Cash Flow nachhaltig erhöhen. Angesichts der Corona-Krise sicherlich kein leichtes Unterfangen.