Wer hat Angst vor dem Bärenmarkt?

Ein Kommentar von Lars Reiner, Gründer und
Geschäftsführer des digitalen Vermögensverwalters Ginmon

Der DAX ist nicht zu bremsen. Der Bullenmarkt setzt sich nach einem kurzen Rücksetzer fort und die Börsenparty, die schon ganze neun Jahre anhält, geht damit weiter. Diese neun Jahre Bullenmarkt waren für Anleger eine schöne Zeit: Negative politische oder gar wirtschaftliche Meldungen wurden schnell weggenickt. Sogar die derzeitigen Sorgen um Italien stecken Indizes wie der DAX gut weg, der wieder die 13.000-Punkte-Marke in Angriff nimmt. Anfang 2009 stand der DAX noch bei 4000 Punkten. Seitdem ging es mit nur wenigen Rücksetzern so gut wie nur bergauf und mittlerweile hat sich der Index im Wert mehr als verdreifacht – gleiches gilt für andere wichtige Indizes wie den S&P 500.

Jetzt befürchten einige Marktteilnehmer, dass Italien die Märkte belasten und die Party ein abruptes Ende haben könnte. Die Frage „sterben Bullenmärkte an Altersschwäche?“ ist in diesem Zusammenhang häufig zu hören. Obwohl es nur zwei Ausgänge geben kann, ist jeder, der behauptet zu wissen wie es weitergeht, nicht mehr als ein Spekulant. Entweder die Märkte entwickeln sich weiterhin positiv und es gilt jedes Renditepotenzial mitzunehmen oder aber die Märkte sinken. Doch selbst wenn ein Bärenmarkt eingeleitet werden sollte, gibt es zwei positive Effekte:

1. Die Spreu trennt sich vom Weizen

„Die Flut hebt alle Boote – auch die Ollen“, lautet eine alte Börsenweisheit. Doch endet die „Geldflut“ der Notenbanken, so wird sich nicht nur bei Aktien die Spreu vom Weizen trennen, sondern auch bei Vermögensverwaltern. Die letzten neun Jahre konnte man auch ohne plausible Anlagestrategie eine positive Rendite erwirtschaften. Doch wenn der Gesamtmarkt nicht mehr einfach bergauf läuft, müssen Vermögensverwalter zeigen, dass sie auch in schwierigen Marktphasen ihr Handwerk beherrschen.

Bei einem langfristigen Vermögensaufbau gilt es in guten Phasen so viel Rendite wie möglich mitzunehmen und in schlechten Marktphasen den Draw-Down zu minimieren, also weniger stark zu fallen als die Benchmark. Aus diesem Grund ist es besonders wichtig, auf die zugrunde liegende Anlagestrategie des Vermögensverwalters bei der Wahl zu achten. Diese entscheidet letztendlich, wie hoch die Renditen langfristig, also über einen gesamten Wirtschaftszyklus, sein werden.

2. Privatanleger müssen ihre Hausaufgaben machen

Bei vielen Privatanlegern sah die Strategie bisher so aus: Irgendein DAX-ETF kaufen und liegen lassen. In den letzten Jahren funktionierte das auch gut. Doch all diejenigen, die sich nicht an einen Vermögensverwalter wenden, sondern die Geldanlage selbst in die Hand nehmen, müssen sich vor allem in turbulenten Zeiten intensiv mit den Märkten auseinandersetzen.

Warren Buffett beispielsweise liest sechs Stunden, um dann zwei Stunden lang Entscheidungen zu treffen. Zu viele Privatanleger recherchieren dagegen nur 30 Minuten, um dann Geld zu investieren, das sie 30 Jahre lang gespart haben. In einem schwierigen Marktumfeld müssen Anleger noch genauer auf die Asset Allokation und auf ihr Risikomanagement achten. So ist sicherzustellen, dass das Risikoprofil trotz Marktbewegungen nicht aus dem Ruder gerät und eventuelle Umschichtungen vorgenommen werden. „Irgendein ETF“ alleine wird es dann nicht mehr richten.

Ungeübte Segler bleiben im Hafen

Ob die Börsenparty – sei es nun wegen Italien oder weniger Notenbankgeld – wirklich ein jähes Ende nimmt oder ob wir noch weiter feiern dürfen, das kann keiner mit Sicherheit vorhersagen. Doch was wir mit Sicherheit sagen können: Wer ein guter Segler ist, der fürchtet das Meer nicht – weder bei Sonnenschein noch bei Wind. Insofern haben stürmische Zeiten an der Börse auch etwas Gutes: Denn geübte Segler bleiben auch in solchen Situationen im Börsenmeer und zeigen, dass sie trotz stürmischem Umfeld ihr Ziel erreichen.

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