Worum geht’s?

  • New Normal #1: Chinesische Währungsabwertung läutet neue Phase im Handelskrieg ein.
  • New Normal #2: Nach einer erneuten EZB-Zinssenkung notieren selbst 30-jährige Bundesanleihen negativ.
  • New Normal #3: Boris Johnson sorgt in Brüssel für mehr Wirbel als an den Börsen.

Marktentwicklungen im 3. Quartal 2019 – Gewöhnlich ungewöhnlich

 

Die EU im Kreuzfeuer des Handelskrieges, Zentralbanken im Fokus der Märkte und eine noch immer anhaltende Brexit-Diskussion: In diesem Quartalsbericht lesen Sie von diesen Themen nicht zum ersten Mal. Bei der Allgegenwärtigkeit dieser Themen stellt sich unmissverständlich die Frage: Ist all das noch außergewöhnlich oder müssen wir uns selbst so langsam an einen neuen, abnormalen Normalzustand gewöhnen?

Handelskrieg zwischen USA und China: New Normal #1?

 

Der Handelskrieg zwischen den USA und China schwebte im dritten Quartal nicht nur über den Volkswirtschaften der beiden direkt involvierten Länder, sondern schwappte auch zunehmend auf Drittstaaten über – und forderte so manch skurrile Kollateralschäden. So fielen in Deutschland die Importe von Erdnussbutter im ersten Halbjahr 2019 um ganze 50%. Der Grund: US-amerikanische Stahlzölle konterte die Europäische Union unter anderem mit Einfuhrabgaben von 25% auf Erdnussbutter.

 

Nicht nur deutsche Verbraucher, sondern auch die globalen Kapitalmärkte bekamen die Folgen des Handelskonflikts im dritten Quartal (mal wieder) zu spüren. Als der Wechselkurs des US-Dollar zum chinesischen Yuan Anfang August zum ersten Mal seit mehr als 10 Jahren die magische Marke von 7,00 USD/CNY kreuzte, schien eine Eskalation des Handelskrieges vielen Marktteilnehmern unvermeidlich zu sein. Denn der USD/CNY-Wechselkurs wird nicht etwa von Angebot und Nachfrage des Marktes, sondern täglich direkt von der chinesischen Notenbank festgesetzt. Viele Analysten sehen in der chinesischen Währung folglich ein weiteres Instrument der Pekinger Führung im Handelskrieg mit den USA.

 

Allgemeine Schlussfolgerung der Börsianer: Das Durchbrechen der symbolischen 7er-Grenze sei ein Signal dafür, dass auf Besserung im lange schwelenden Handelskrieg nicht zu hoffen ist. Prompt verlor der US-amerikanische Leitindex S&P 500 noch am selben Tag ca. 3%.

 

Dabei kam die Währungsabwertung für erfahrene Beobachter wenig überraschend. Die chinesische Notenbank hatte die Währung bereits seit Anfang 2018 kontinuierlich abgewertet. Zwischen Februar 2018 und Juli 2019 verbilligte sich der chinesische Yuan bereits um ca. 10% gegenüber dem US-Dollar. Das Reißen der “7” galt unter Experten also nur als eine Frage der Zeit. Doch Börsianer haben häufig ein recht kurzes Gedächtnis und die 7er-Marke eignete sich als einfach zu merkendes Alarmsignal hervorragend.

Quelle: Federal Reserve Bank of St. Louis (I, Link), Federal Reserve Bank of St. Louis (I, Link)

Tatsächlich ist es nicht das erste Mal, dass Peking seine Währung aggressiv abwertet, um seine Wirtschaft zu stützen. Vor ziemlich genau vier Jahren, im August 2015, geschah dies schon einmal; auch damals brach der S&P 500 an einem einzigen Tag um ca. 3% ein. Seitdem ist viel geschehen – von Donald Trump als US-Präsidenten und einem Handelskrieg ahnte damals noch niemand. Der S&P 500 steht heute allen chinesischen Währungsmanövern zum Trotz dennoch ca. 40% höher als 2015.

 

Nichtsdestotrotz stellt sich angesichts des seit Anfang 2018 schwelenden Konflikts die Frage: Wann wird auf internationaler Bühne eine Lösung gefunden sein? Einen interessanten Anstoß liefert eine Umfrage der Bank of America unter mehr als 200 Vermögensverwaltern vom September.

Quelle: Bank of America Merrill Lynch Global Fund Manager Survey, Bloomberg (Link)

Hier antwortete die Mehrheit der Befragten, dass der Handelskonflikt das “New Normal” sei und in absehbarer Zeit nicht gelöst werden wird. Weniger als 5% hingegen sehen eine Lösung noch im Jahr 2019 als realistisch an. Scheinbar müssen sich nicht nur die deutschen Erdnussbutter-Liebhaber, sondern auch die Börsianer auf diese neue Realität einstellen.

Zentralbank-Politik und Negativzinsen: New Normal #2?

Ebenfalls im Fokus standen zuletzt (mal wieder) die Zentralbanken. Geldpolitik ist seit jeher das Betreiben von makroökonomischem Erwartungsmanagement und vor allem eines: Eine kontinuierliche Gratwanderung. Wird seitens der Zentralbank zu viel oder zu wenig unternommen, so besteht schnell die Gefahr, dass die Märkte entweder überhitzen oder abkühlen. In Zeiten von Leitzinsen um den langfristigen Zielwert von 2% war eine minimale Erhöhung oder Senkung ein klares Signal an die Märkte, welche daraufhin mehr oder minder wussten, was zu tun war.

 

Nun ist es jedoch der Fall, dass sich die Eurozone zum letzten Mal im Dezember 2008 beim obigen Zielwert befand. Ab Juli 2012 gewährte die Europäische Zentralbank (EZB) auf Einlagen schließlich gar keine Zinsen mehr und knapp zwei Jahre später im Juni 2014 passierte das zuvor lange für unmöglich gehaltene: Mit -0,1% p.a. wurde erstmals ein Strafzins auf bei der EZB gehaltene Einlagen fällig. Für sämtliche Marktteilnehmer war diese Situation vollkommen neu: Was tun bei Negativzinsen und wie ist ein solches Signal genau zu deuten? Und vor allem: Wie lange wird diese Situation anhalten?

 

Nachdem sich im Juni dieses Jahres das Negativzinsumfeld zum fünften Mal jährte, liegt auch hier die Vermutung nahe, dass wir uns in einem weiteren “New Normal” befinden. Ein weiteres Indiz hierfür stellt die erneute Lockerung der EZB-Geldpolitik im September dar, als der Einlagenzins auf ein erneutes Allzeittief von -0,5% gesenkt wurde. Mit dieser Zinssenkung beendet der scheidende EZB-Präsident Mario Draghi seine Amtszeit exakt so, wie er sie begonnen hat.

 

Die EZB folgt hiermit der US-Notenbank Fed, die bereits zum zweiten Mal innerhalb von drei Monaten den Leitzins gesenkt hat. Offen blieb für die Märkte jedoch weiterhin die Frage: Hat sich die Fed mit dieser Senkung dem zunehmenden öffentlichen Druck des US-Präsidenten Donald Trump gebeugt oder ist dies tatsächlich eine Antwort auf eine sich abkühlende Konjunktur (Stichwort: Handelskrieg)?

 

Hierzulande erfreut sich vor allem einer am Niedrigzinsumfeld: Der deutsche Fiskus. Ende des dritten Quartals notierten sämtliche Renditen von Bundeswertpapieren zwischen ein und dreißig Jahren Laufzeit negativ. Die Bundesrepublik wird also bei der Ausgabe neuer Anleihen von Investoren sogar dafür bezahlt, sich bei Ihnen zu verschulden.

Quelle: Deutsche Bundesbank (Link)

Negativzinsen auf Staatsanleihen sind jedoch keinesfalls eine allein deutsche Erscheinung. Für Papiere des französischen, schweizerischen oder österreichischen Staates ist es ebenfalls seit geraumer Zeit völlig normal, im Negativen zu rentieren.

 

Hier kommt unmissverständlich die Frage auf, wer denn all diese Anleihen in seinen Büchern hält? Privatpersonen über Direktinvestitionen sind es nämlich in den seltensten Fällen. Laut einer Studie der Deutschen Bank sind es überraschenderweise nicht die so oft klagenden Banken, sondern zu ca. 79% vielmehr die Zentralbanken selbst, die als Folge Ihrer Anleihekauf-Programme negativ rentierende Anleihen in ihren Büchern halten.

Quelle: Deutsche Bank Research, Bloomberg (Link)

Was auf Staatsebene ausgesprochen komfortabel erscheint, ist für den deutschen Sparer umso schmerzhafter. Denn nach Angaben der Deutschen Bundesbank halten deutsche Bundesbürger derzeit mehr als € 1,3 Milliarden auf unverzinsten Girokonten oder niedrig verzinsten Tagesgeldkonten. Damit verzichten Deutsche bei ungefähr einem Viertel Ihres Vermögens freiwillig auf Rendite.

 

Das vorherrschende Niedrigzinsumfeld auf den europäischen Kapitalmärkten ist als weiteres “New Normal” mittlerweile unstrittig geworden. Dem privaten Sparer sind gegenüber der Notenbank an dieser Stelle leider die Hände gebunden. Was jedoch nicht zu einem weiteren “New Normal” werden muss, ist die Art und Weise der privaten Geldanlage in Zeiten niedriger Zinsen. Hier ist es umso wichtiger, sich mit einer klugen privaten Geldanlage zumindest um einen Inflationsausgleich zu bemühen, sodass der reale Vermögensverlust nur optional statt real verbleibt.

Großbritanniens Ausstieg aus der EU: New Normal #3?

Die Brexit-Front bot den Kapitalmärkten im vergangenen Quartal wieder einmal ausreichend Stoff zur Unterhaltung. Am 24. Juli wurde die Chronik um ein weiteres Kapitel reicher, als die bisherige Premierministerin Großbritanniens Theresa May ihren angekündigten Rücktritt vollzog und mit Boris Johnson ein Nachfolger gewählt wurde. Seit dessen Antritt verschärfte sich die Brexit-Kommunikation noch einmal merklich. Der neue Premier überraschte mit teils überdeutlichen Aussagen zum definitiven Austritt Ende Oktober dieses Jahres und einem versuchten Zwangsurlaub der britischen Parlaments, worauf ihm per Gesetz vom Parlament untersagt wurde, die EU mit einem “No-Deal” zu verlassen.

 

Der britische Leitindex FTSE ließ sich von all dem jedoch nur mäßig beeindrucken. Das dritte Quartal 2019 beendete der FTSE quasi unverändert. Es scheint fast, als hätten sich auch hier die Börsianer daran gewöhnt, einer “Never Ending Story” zu folgen. In Großbritannien ist der politische Ausnahmezustand in den drei Jahren seit dem Brexit-Referendum längst zum Normalzustand geworden.

Entwicklung der Ginmon-Portfolios – Das kann sich sehen lassen

Nachdem die Ginmon-Portfolios im zweiten Quartal nicht so recht von der Stelle kamen, entwickelten sich sie im dritten Quartal umso erfreulicher. Mit 2,2% bis 3,7% nach Kosten standen für unsere Anleger ordentliche Zugewinne zu Buche.

Quelle: Ginmon

Nach zwei sehr volatilen Quartalen Ende des letzten Jahres sowie zu Beginn dieses Jahres konnten Ginmon-Anleger auf 1-Jahres-Sicht zwischen 6,4% und 4,3% nach Kosten erzielen. Auch der Blick auf die vergangenen 36 Monate kann sich mehr als sehen lassen. So konnten unsere Strategien zwischen 6,7% und 25,8% nach Kosten erwirtschaften.

Quelle: Ginmon

Doch welche Treiber waren für die Portfolio-Entwicklungen genau verantwortlich?

Dies zeigen wir Ihnen jedes Quartal in einer ausführlichen Analyse. Im dritten Quartal 2019 zeichneten vor allem Aktien und Anleihen für die Renditen unserer Portfolios verantwortlich. Letztere konnten – wie schon in vergangenen Quartalen – von einer gelockerten Geldpolitik dies- wie jenseits des Atlantiks profitieren. Auch Immobilien entwickelten sich in den letzten drei Monaten erfreulich, da aufgrund der gesunkenen Zinsen Immobilienkredite deutlich günstiger geworden sind. Faktoren und Rohstoffe traten hingegen kaum in Erscheinung.

Quelle: Ginmon

Anleihenrendite unter der Lupe

Wie schon im ersten Quartal, wollen wir uns etwas näher mit dem Renditebeitrag der Anlageklasse Anleihen befassen und uns dazu die Anlagestrategien apeironinvest 1 und apeironinvest 4 ansehen. Zusätzlich wollen wir dieses Mal die Rendite aus der Immobilien-Allokation analysieren.

Quelle: Ginmon

Im vergangenen Quartal konnten Staatsanleihen ordentlich zulegen, was vor allem auf die Zinssenkungen der EZB und der US-Zentralbank Fed zurückzuführen ist. Unternehmensanleihen konnten hingegen kaum hinzugewinnen. Hinsichtlich der ungelösten und zunehmend konfrontativen Brexit- und Handelskonflikte hielten sich Investoren hier eher zurück und bevorzugten die sichere Alternative staatlicher Obligationen.

 

Interessant war einmal mehr, dass Börsianer bei Anleihen derzeit wenig Wert auf Qualität zu legen scheinen. Diese Entwicklung ist wenig verwunderlich. Schließlich bieten hochqualitative Schuldverschreibungen in Zeiten negativer Leitzinsen so gut wie keine Rendite. Das zwingt viele institutionelle Anleger, sich in anderen Regionen des Anleihen-Universums umzusehen. Kürzlich war sogar Griechenland in der Lage, eine Anleihe mit drei Monaten Laufzeit zu einer negativen Rendite von -0,02% zu begeben. Da wir jedoch konsequent auf hochqualitative Anleihen setzen, haben unsere Portfolios hier bis zu -0,6% Rendite liegen gelassen.

 

Einen ordentlichen Beitrag lieferte in diesem Quartal auch unsere Allokation in Immobilien. Diese konnte mit der Performance von Unternehmensanleihen mithalten – und das trotz einem vergleichsweise geringen Anteil von 2% bei apeironinvest 1, bzw. 4% bei apeironinvest 4.

 

Genau wie Anleihen profitieren Immobilien von niedrigeren Zinsen, da diese normalerweise zu einem Großteil mit Fremdkapital finanziert werden. Eine geringere Zinslast dürfte also zu einer steigenden Immobiliennachfrage führen.

Unternehmensentwicklungen

Auch im Hintergrund hat sich im vergangenen Quartal bei Ginmon einiges getan. Wie einige von Ihnen vielleicht schon bemerkt haben, haben wir unseren Website-Chat runderneuert und stehen Ihnen damit noch umfangreicher und interaktiver zur Verfügung. Eine besondere Funktionalität ist hier, dass Ihr Chatverlauf nach dem Verlassen unserer Webseite nicht gelöscht wird. Sollten Sie mit dem gleichen Gerät zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal Fragen oder Anregungen haben, dann sehen Sie ihren vorherigen Verlauf ebenfalls.

 

Außerdem wurde Ginmon für Sie im vergangenen Quartal noch ein Stück kosteneffizienter. Durch eine Reduzierung der ETF-Kosten in unserer Anlageklasse “Unternehmensanleihen Euro” sinken unsere durchschnittlichen Produktkosten auf 0,21% pro Jahr. Unsere Technologie Apeiron® durchforstet für Sie selbstverständlich auch weiterhin kontinuierlich das ETF-Universum, um die für Sie besten Anlagebausteine zu identifizieren.